Sie sind hier:

Zahlen und Fakten Stand der medizinischen Forschung

In den 1980er Jahren hieß es, in wenigen Jahren werde es einen Impfstoff gegen HIV geben. Rund dreißig Jahre später gibt es ihn nach wie vor nicht. In der Entwicklung von Medikamenten zur Behandlung einer Infektion hat die Forschung hingegen schon große Schritte gemacht.

Gibt es bald neue Medikamente?

Zurzeit stehen über 20 verschiedene Substanzen zur Behandlung der HIV-Erkrankung zur Verfügung. Außerdem sind zahlreiche neue Substanzen in der klinischen Entwicklung. Erforscht wird aber nicht nur, wie die Viruslast im Körper gesenkt werden kann, sondern auch, ob sich das menschliche Immunsystem gezielt so anregen lässt, dass es mit der Infektion besser zurechtkommt und HIV aus eigener Kraft besser bekämpfen kann. Diese Forschungsansätze zur Behandlung von HIV-Infizierten ähneln entweder den Ansätzen zur Entwicklung einer Schutzimpfung oder sind der Gentherapie zuzuordnen.

Wann kommt ein Impfstoff gegen HIV?

In den 80er Jahren hieß es, in wenigen Jahren werde es einen Impfstoff gegen HIV geben. Heute traut sich kaum ein Wissenschaftler mehr, eine halbwegs verlässliche Prognose abzugeben. Der Grund liegt in der Vielfalt und in der Veränderbarkeit des Virus: Verschiedene Subtypen mit verschiedenen Bauplänen, Mischtypen dieser Subtypen - sogenannte Rekombinanten - und die genetische Wandelbarkeit des Virus machen es der Forschung besonders schwer.

2007 erlitt die Impfstoffforschung einen schweren Rückschlag: In einer großen Studie hatten sich mehr Impflinge mit HIV infiziert als Menschen, die nicht mit dem neuen HIV-Impfstoff geimpft waren. Der Impfstoff scheint also die Anfälligkeit für eine HIV-Infektion eher erhöht als gesenkt zu haben. Im Oktober 2009 kamen hoffnungsvolle Pressemeldungen über einen Impfstoffversuch aus Thailand, doch bei genauerer Analyse der Daten hat sich auch hier Ernüchterung breit gemacht - für die Prävention werden wir in den nächsten Jahren nicht auf einen Impfstoff hoffen können. Und wenn es irgendwann doch gelingen sollte, einen einsatzfähigen Impfstoff zu produzieren, wären die Geimpften wahrscheinlich nicht vollständig vor einer HIV-Infektion geschützt - der Impferfolg würde vielmehr darin bestehen, dass die Infektion milder verliefe und die Viruslast geringer wäre. Dann wäre der infizierte Impfling auch weniger infektiös (= ansteckend für andere).

Therapie als Prävention?

Eine stabile und erfolgreiche HIV-Therapie senkt die HIV-Konzentration (Viruslast) beziehungsweise die Zahl infizierter Zellen in den Körperflüssigkeiten und Schleimhäuten und damit das Ansteckungsrisiko für andere. Das macht man sich schon lange für die Vermeidung von Mutter-Kind-Übertragungen zunutze.

In Bezug auf die Prävention sexueller Übertragungen von HIV, kann die antiretrovirale Therapie (ART) unter bestimmten Bedingungen eine wichtige Rolle spielen:

  • Die Viruslast des HIV-positiven Partners liegt seit mindestens sechs Monaten unter der Nachweisgrenze.
  • Die antiretroviralen Medikamente werden konsequent eingenommen.
  • Es liegt keine Schleimhautdefekte, zum Beispiel in Folge weiterer sexuell übertragbarer Infektionen (STI), vor.

Überprüfbar sind diese Bedingungen allerdings in der Regel nur in Partnerschaften und bei enger ärztlicher Begleitung. Für Menschen, die nicht in einer festen Beziehung leben oder außerhalb einer bestehenden Partnerschaft noch andere Sexualpartner haben, wird die Verwendung von Kondomen zum Schutz vor einer HIV-Infektion weiterhin empfohlen.

Mutter-Kind-Übertragung

Kinder von HIV-positiven Frauen können während der Schwangerschaft und beim Stillen, vor allem aber während der Geburt angesteckt werden. Das Übertragungsrisiko hängt dabei wesentlich von vorbeugenden Maßnahmen ab. Unter optimalen Bedingungen kann die Übertragunsrate von etwa 20 Prozent (ohne Schutzmaßnahmen) auf unter 2 Prozent gesenkt werden: Durch die Einnahme von Medikamenten gegen HIV, um die Viruslast im Blut der Mutter unter die Nachweisgrenze zu senken, durch eine vorsorgliche mehrwöchige Behandlung des Neugeborenen mit antiretroviralen Mediakamenten und durch den Verzicht aufs Stillen.

Um das Risiko einer Übertragung bei der Geburt zu minimieren, werden Kinder HIV-infizierter Mütter meist durch Kaiserschnitt auf die Welt geholt. Liegt die Viruslast der Mutter stabil unter der Nachweisgrenze, kann das Kind auch durch eine natürliche Geburt zur Welt gebracht werden. Wichtig ist in jedem Fall eine medizinische Betreuung durch HIV-Spezialistinnen und –Spezialisten.

Um diese guten Möglichkeiten der Vermeidung einer Infektion der Kinder nutzen zu können, muss das Vorliegen einer HIV-Infektion allerdings erst einmal festgestellt werden. Ein HIV-Test wird deshalb seit Dezember 2007 im Rahmen der Schwangeren-Vorsorgeuntersuchung angeboten und kann von jeder Frau in Deutschland in Anspruch genommen werden.

Von diesen Chancen können die allermeisten Frauen in ärmeren Ländern allerdings nicht profitieren: Noch immer fehlt es vielerorts an Medikamenten, der medizinischen Infrastruktur (Labordiagnostik, Kaiserschnitt) und sauberem Wasser für die Flaschennahrung. Jährlich infizieren sich daher vor allem in den ärmeren Ländern ca. 370.000 Kinder mit HIV.

Fazit

Es ist nicht zu erwarten, dass man in absehbarer Zeit HIV aus dem Körper eliminieren - also heilen - kann. Sämtliche Ansätze zielen darauf,

  • die Wirksamkeit der Therapie lebenslang zu sichern. In Zukunft kommt es verstärkt darauf an, nebenwirkungsärmere Medikamente zu entwickeln,
  • Therapien zu vereinfachen, damit sie leichter einzuhalten sind (dazu zählt auch die Erforschung von geplanten Therapiepausen bei guter Immunlage),
  • die Preise der Therapien zu senken und die Behandlung allen zugänglich zu machen,
  • Resistenzentwicklungen durch eine qualifizierte Therapie zu verhindern.

Diese Fachinformationen wurden uns dankenswerterweise vom Medizinreferat der Deutschen AIDS-Hilfe zur Verfügung gestellt.

Artikel bewerten:

Aktuell 3 Sterne (4866 Bewertungen)

Weitersagen:

Mehr zum Thema

Weitere Informationen

Erfahren Sie mehr über die Behandlungsmöglichkeiten von HIV und die Maßnahmen gegen die Verbreitung von HIV und Aids.

Behandlung von HIV und Aids
Maßnahmen gegen HIV und Aids
Wissen über HIV/Aids vermitteln

HIV / Aids von A bis Z - Heutiger Wissensstand

Antworten auf die häufigsten Fragen rund um HIV und Aids - zu den...

Weitere Informationen