Eine Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Menschen, die HIV infiziert oder aidskrank sind, befinden sich in einer ganz besonders schwierigen Situation. Neben der Tatsache, dass Aids unheilbar ist - was auch für einige andere Krankheiten zutrifft - leiden Betroffene oft an Diskriminierung und gesellschaftlicher Ausgrenzung. HIV und Aids sind immer noch Tabu-Themen: Die Folge ist, dass Aidskranken häufig sowohl das Aufgehobensein im privaten Umfeld - in der Familie und bei Freunden - wie auch im beruflichen Bereich fehlt. Dies bedeutet eine besonders hohe psychische Belastung der Betroffenen.
HIV-Infektion, Aids und Armut: ein Thema auch in Deutschland
Hinzu kommt die Tatsache, dass die von HIV und Aids-betroffenen Menschen im Vergleich mit anderen chronisch Kranken vergleichsweise jung sind. Im Jahr 2009 waren zum Beispiel 28,3 Prozent der Antragstellenden bei der Deutschen AIDS- Stiftung 30 bis 39 Jahre alt, 60 Jahre und darüber nur 3,1 Prozent. Durch die Infektion in jungen Jahren ergibt sich die besondere Problematik, dass die soziale Sicherung der Betroffenen, etwa durch Rentenansprüche oder Ersparnisse, nicht gewährleistet ist. Dies führt dazu, dass viele HIV-infizierte und aidskranke Menschen, die nicht mehr arbeiten können, auf Sozialhilfe angewiesen und daher akut von Armut bedroht sind. Die hohe Zahl der Anfragen bei der Deutschen AIDS- Stiftung - bis Ende 2009 gingen 69.441 Hilfsanträge ein - weist auf die materiell schwierige Lage der Betroffenen hin. Nur ein geringer Anteil der begünstigten Antragsteller können auf Lohn oder Gehalt zurückgreifen. Darunter befinden sich auch immer mehr HIV-positive und an Aids erkrankte Frauen. Im Jahr 2009 kamen 40,9 Prozent der Hilfsanfragen von Frauen.
Die Zahlen belegen, dass Frauen in Deutschland öfter in Not geraten als Männer. Einer der Gründe: Sie tragen meistens die Verantwortung für Kinder. Frauen sind häufiger als Männer auf Sozialhilfe angewiesen und beziehen seltener Rentenleistungen.
Noch problematischer ist die Lage für Migrantinnen und Migranten, die sich in steigender Zahl an die Stiftung wenden. Aufgrund der für sie fremden Umgebung in Deutschland und oft mangelnder Sprachkenntnisse erfahren sie eine noch größere Ausgrenzung als andere von der Immunschwächekrankheit betroffene Gruppen.
Gemeinsam gegen Ausgrenzug
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), die Deutsche AIDS-Hilfe (DAH) und die Deutsche AIDS-Stiftung (DAS) setzen sich jeweils in ihren Arbeitsbereichen und in gemeinsamen Projekten für mehr soziale Sicherheit, Integration und gesellschaftliche Akzeptanz ein.
Die Deutsche AIDS-Stiftung will, so ist es in der Präambel ihrer Satzung verankert, "die Lebensbedingungen von HIV-positiven und an Aids erkrankten Menschen verbessern und ihr Selbstvertrauen stärken, so dass sie ein selbstverantwortliches, sinnerfülltes und sozial akzeptiertes Leben führen können."
Einen Schwerpunkt der Stiftungs-Arbeit in Deutschland bilden daher die individuellen Hilfen für Betroffene in Not. Viele Menschen mit HIV und Aids können sich keine krankengerechte Ausstattung ihrer Wohnung leisten, sie brauchen Zuschüsse zur Babyerstausstattung, zu Sehhilfen, zu Zahnersatz oder für eine dringend benötigte betreute Genesungsreise. Aber auch durch die Förderung verschiedener Projekte für Menschen mit HIV in Deutschland hilft die Deutsche AIDS-Stiftung.
Angebote betreuten Wohnens in einer Einrichtung werden für viele Betroffene immer wichtiger. Die verbesserten medizinischen Therapien sind lebensverlängernd, bedingen aber oft auch dauerhafte körperliche und seelische Erkrankungen, bzw. Einschränkungen. Aufgrund des weiterhin großen Stigmas, das mit der HIV-Infektion verbunden wird, isolieren sich aidskranke Menschen oft stark und vereinsamen. Daher engagiert sich die Stiftung zunehmend in diesem Bereich. Von der Stiftung gefördert werden ein Wohnprojekt in der Reichenberger Straße in Berlin, ein Haus in Essen sowie eine Einrichtung in Koblenz. Zurzeit entsteht ein weiteres Wohnprojekt in Köln-Weidenpesch.
Zudem unterstützt die Stiftung Betroffene in modellhaften Projekten in Namibia, Mosambik und Südafrika.
Die Deutsche AIDS-Stiftung fördert beispielsweise das DREAM-Programm der Gemeinschaft Sant`Egidio in Mosambik. Im Gesundheitszentrum Matola II nahe Maputo werden schwangere Frauen und ihre Neugeborenen medizinisch versorgt. Ziel ist, dass die Babys HIV-negativ zur Welt kommen und ihre Mütter nicht an AIDS erkranken. Die Erfahrungen des Programms DREAM belegen, dass eine nach europäischen Standards praktizierte AIDS-Therapie auch in Afrika durchführbar, nachhaltig wirksam und bezahlbar ist. Über 98 Prozent der Babys werden dort HIV-negativ geboren. Ein wichtiger Aspekt ist die Einbeziehung HIV-positiver Ehrenamtlerinnen, die im Rahmen von DREAM zu "Activistas" ausgebildet werden. Sie gehen in die Familien und klären über das Leben mit HIV und Aids auf.
Wir beantworten Ihre Fragen zu HIV/Aids und anderen sexuell übertragbaren Infektionen - telefonisch und online.
"Rote Schleifen" erhalten Sie über die Deutsche AIDS-Hilfe und die Deutsche AIDS-Stiftung.