Eine Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Auch für Schwule und Lesben gibt es keine fest gefügten Regeln für den Sex. Es gibt aber auch nur wenig frei verfügbare Informationen über das, was sie machen könnten - z.B. im Sexualkunde-Unterricht in der Schule. Das hat Vor- und Nachteile. Einerseits macht es Angst, wenn kaum Verhaltensmuster zur Verfügung stehen, an denen sich jemand orientieren kann, andererseits sind die eigene Fantasie und Entdeckerlust gefragt, weil es kein festgelegtes "Programm" gibt.
So ist es möglich, fast die ganze Vielfalt der Ausdrucksformen zu nutzen, die es auch beim Sex zwischen Mann und Frau gibt - von der ausgedehnten Zärtlichkeit, der Liebkosung des ganzen Körpers, vom Küssen, Streicheln, Sich-Reiben bis zur heftigen leidenschaftlichen und impulsiven sexuellen Aktivität. Weit verbreitet und meist lustvoll kultiviert ist das Stimulieren mit den Händen sowie der Oralverkehr. Viele, aber längst nicht alle Schwulen - vor allem wenige Jugendliche - praktizieren Analverkehr. Auch für viele Heterosexuelle gehört Analverkehr zu ihrer Sexualität - auch wenn sehr selten offen darüber gesprochen wird.
Langfristige Beziehungen können mehr Vielfalt und Buntheit der körperlichen Begegnung erfahren lassen und kultivieren. Kurzfristige Begegnungen sind oft aufregend, lassen aber weniger Raum für intensive Erfahrungen, die Körper und Seele zusammen bringen. Aber sie werden häufig gelebt, vor allem auch, wenn das eigene Sexualleben geheim gehalten wird und versteckt organisiert werden muss. Zufallsbekanntschaften spielen dabei oft eine Rolle - aber auch das gibt es nicht nur bei Schwulen.
Bei Lesben sieht es ähnlich aus. Entscheidend für die Ausdrucksformen ihrer Sexualität ist, ob die Eltern ihre Tochter eingeengt zu einem "typischen Mädchen" erzogen haben oder ob sie eine größere Bandbreite ihrer Gefühle und Interessen leben konnte. Lesbischer Sex kann weich und zärtlich, aber auch hart und heftig sein, wenn nicht nur die "typisch weiblichen", also eher die zurückhaltenden und reagierenden Verhaltensweisen gelernt wurden.
Auch in gleichgeschlechtlichen Beziehungen spielt die seelische Übereinstimmung eine unterschiedlich große Rolle. Wie in heterosexuellen Beziehungen kann die körperliche Sexualität - je nach den beteiligten Persönlichkeiten - mehr oder weniger auf die Geschlechtsteile konzentriert sein.