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Eltern Homosexueller

Die meisten Eltern werden vom "coming Out" ihrer Kinder überrascht

Ein Junge oder Mädchen mit homosexuellen Neigungen erlebt sich im Kreis seiner Familie zunächst oft als "Störfall". Viele Eltern haben es schwer, sich frei zu machen von der "Selbstverständlichkeit", dass ihre Tochter sich für Jungen und ihr Sohn sich für Mädchen interessiert. Zwar erwarten heute nicht mehr alle den geradlinigen Lebensweg des "Verliebt - Verlobt - Verheiratet", vielleicht sogar Enkelkinder. Eltern sind heute durchaus auf allerlei Überraschungen gefasst, die ihnen die Kinder bescheren - aber Homosexualität gehört selten dazu.

Weil Homosexualität mit Ängsten und manchmal mit negativen Vorstellungen verbunden ist, oder vielleicht auch einfach gar nicht daran gedacht wird, übersehen Eltern oft Signale, die auf eine andere sexuelle Entwicklung hinweisen können. Die meisten Eltern nehmen allenfalls wahr, dass sich ihr Kind "irgendwie verändert".

Die gängigen Klischees von "schwul = grundsätzlich weiblich" und "lesbisch = grundsätzlich männlich" sind Fantasieprodukte, die viel mehr mit der Angst vor der Abweichung von gängigen Rollenmustern zu tun haben als mit der Lebenswirklichkeit von homosexuell liebenden Menschen.

Oft ist ihnen unklar, warum sich ihr Kind so verändert, entweder aggressiver wird oder sich sogar völlig zurückzieht. Manches wird zunächst den "ganz normalen Pubertätserscheinungen" zugeschrieben, von denen die Eltern wissen, dass sie mit der emotionalen Umbruchsituation, mit der Loslösung von zu Hause und der Suche nach neuen Orientierungen zu tun haben. Doch wenn die Schwierigkeiten zu groß werden oder lange anhalten, tauchen in der Fantasie alle möglichen Ursachen auf, "von denen man schon mal gehört hat": Drogengebrauch oder auch Mitgliedschaft in einer Sekte oder ...? Die Möglichkeit der homosexuellen Orientierung wird meist nicht in Betracht gezogen.

Von der Tatsache, dass ihr Kind homosexuelle Neigungen entwickelt werden manche Eltern dann total überrascht. Eine andere Reaktion setzt nämlich voraus, dass sich Eltern und Erzieher mit Sexualität - also auch mit Homosexualität - schon auseinander gesetzt haben, dass sie Informationen aufgenommen, Vorurteile abgelegt und sich zumindest einmal Gedanken gemacht haben, wie es wäre, wenn ihr eigenes Kind eine andere sexuelle Orientierung entwickelte.



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