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Behandlung von HIV und Aids

Gesprächssituation zwei Männer

Inhalt:

Was unterscheidet HIV und Aids?

Die Abkürzung HIV bedeutet "Humanes Immundefekt Virus". Es handelt sich um ein Virus, das vor allem die Zellen des Abwehrsystems befällt. Es vermehrt sich in ihnen, setzt sie außer Funktion und zerstört sie schließlich. Das körpereigene Abwehrsystem kann - anders als bei den meisten anderen Infektionen - HIV nicht aus dem Körper entfernen, obwohl einige Wochen nach einer HIV-Infektion Abwehrstoffe (Antikörper) gegen das eingedrungene Virus gebildet werden.

Die Abkürzung AIDS (heute eingedeutscht "Aids") steht für "Acquired Immune Deficiency Syndrome" und bedeutet sinngemäß "Bündel von Symptomen einer erworbenen Abwehrschwäche". Aids ist eine schwere, durch HIV ausgelöste Schwächung des körpereigenen Abwehrsystems. Aids macht den Körper wehrlos gegen viele Krankheitserreger, die ein gesunder Mensch ohne Probleme abwehrt, und gegen andere Erkrankungen wie z.B. Tumore. Die durch die Abwehrschwäche ausgelösten Folge-Krankheiten führen schließlich ohne Behandlung meist schnell zum Tode.

Behandlung mit HIV-Medikamenten: die Kombinationstherapie

Die Entwicklung neuer Medikamente hat seit etwa 1996 bedeutende Fortschritte in der HIV- und Aids-Behandlung gebracht. Lebenserwartung und Lebensqualität von Menschen mit HIV und Aids wurden so erheblich verbessert. Jedoch: ein Heilmittel gegen HIV gibt es nicht - entgegen vielen immer wieder verbreiteten und oft bereitwillig geglaubten Meldungen. Zwar können Medikamente den Verlauf einer HIV-Infektion oder Aids-Erkrankung oft stark verzögern, doch tatsächlich heilen (also HIV aus dem Körper entfernen) können sie nicht.

HIV-Medikamente können die Vermehrung von HIV im Körper also aufhalten. Häufig entstehen jedoch nach einiger Zeit im Körper des Patienten leicht veränderte Stämme des HI-Virus, so genannte Mutanten, die gegen ein zuvor noch wirksames Medikament unempfindlich (resistent) sind und sich nun ungebremst vermehren können. Um die Bildung solcher Resistenzen möglichst zu verhindern, verabreicht man meist von vornherein eine Kombination von zwei bis drei (oder sogar mehr) verschiedenen Medikamenten, die so genannte Kombinationstherapie. Die Wirkung der HIV-Therapie besteht darin, dass die Menge der Viren im Blut, die so genannte Viruslast, gesenkt wird. Im günstigsten Fall ist HIV gar nicht mehr im Blut nachweisbar; allerdings ist das HI-Virus auch dann noch im Körper vorhanden und in verschiedenen Organen und im Blut weiterhin aktiv. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Helferzellen des Immunsystems oft wieder zu, das Immunsystem erholt sich also etwas.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die HIV-Medikamente jedoch nach sehr strengen Regeln eingenommen werden. Voraussetzung für eine optimale Wirksamkeit ist, dass die HIV-Behandlung von Anfang an individuell geplant und auf den einzelnen Patienten abgestimmt wird. Je größer die Erfahrung des Arztes oder der Ärztin mit der HIV-Therapie, desto besser und andauernder der Behandlungserfolg. Deswegen sollte die medizinische Behandlung von Menschen mit HIV stets in den dafür besonders qualifizierten HIV-Schwerpunktpraxen oder HIV-Ambulanzen erfolgen.

Medizinische Fortschritte gibt es übrigens auch bei der Vorbeugung und Behandlung vieler der einzelnen Krankheiten, die bei Aids wegen der fortgeschrittenen Immunschwäche auftreten können.

Nebenwirkungen der Kombinationstherapie

Die Nebenwirkungen der HIV-/Aids-Therapie können sehr vielfältig sein und variieren je nach Medikament und behandeltem Menschen. Nebenwirkungen wie Durchfälle und Kopfschmerzen gehen meist nach einigen Wochen zurück und sind oft gut behandelbar. Viel problematischer sind die Langzeitnebenwirkungen wie schmerzhafte Entzündungen der Nerven in den Armen und Beinen (Neuropathien) oder die für viele HIV-Patienten besonders belastenden Störungen des Fettstoffwechsels und der Fettzusammensetzung des Körpers (sog. Lipodystrophie). Hierbei kommt es zum Schwund von Unterhautfettgewebe im Gesicht, an den Armen und Beinen sowie zur Anlagerung von Fettgewebe am Bauch und im Nacken. Diese häufige Folge einer HIV-Therapie macht die Infektion bei vielen infizierten Menschen für Kenner äußerlich sichtbar und ist auch deswegen sehr gefürchtet.

Die Medikamente können auch zu dauerhaften Organschädigungen (z.B. Leberversagen) führen. Bei manchen Patientinnen und Patienten führen starke Nebenwirkungen dazu, dass sie die Therapie abbrechen oder - gemeinsam mit ihrem Arzt - völlig umstellen müssen. Die Angst vor den nebenwirkungen der Therapie kann uach dazu führen, dass manche ihre Medikamente nicht regelmäßig einnehmen, sodass die Wirksamkeit der Medikamente gefährdet ist.

Entwicklung der Medikamente der Zukunft

Zurzeit (Ende 2005) stehen etwa 25 Medikamente mit mehr als 20 verschiedenen Substanzen zur Behandlung der HIV-Infektion und Aids-Erkrankung zur Verfügung. In Entwicklung befinden sich auch weitere Medikamente mit neuem Wirkansatz, z. B. Integrase-Inhibitoren, die den Einbau des Virusgenoms in die menschliche Erbsubstanz unterdrücken, und Korezeptor-Antagonisten, die das Andocken und Eindringen des Virus in die Zelle verhindern.

Erforscht wird heute aber nicht nur, wie die "Viruslast" im Körper gesenkt werden kann, sondern auch, ob und wie sich das menschliche Immunsystem gezielt so anregen lässt, dass es mit der HIV-Infektion besser zurechtkommt und so HIV aus eigener Kraft besser bekämpfen kann.

Es ist nach allen Erkenntnissen aber nicht zu erwarten, dass man in absehbarer Zeit HIV aus dem Körper komplett entfernen - also heilen - kann. Sämtliche verfügbaren und absehbaren Ansätze sind auf eine lebenslange Therapie ausgerichtet.

In Zukunft wollen die Forscher sich darauf konzentrieren,

  • nebenwirkungsärmere Medikamente zu entwickeln,
  • Therapien weiter zu vereinfachen, damit sie leichter einzuhalten sind (dazu zählt auch die Erforschung von geplanten Therapiepausen bei guter Immunlage),
  • die Preise der Medikamente vor allem in ärmeren Ländern zu senken und die Behandlung möglichst vielen Infizierten zugänglich zu machen,
  • Resistenzentwicklungen durch eine besonders effektiveTherapie zu verhindern und
  • weitere Ansatzpunkte nutzen, die die Virusvermehrung im Körper verhindern können.

Fast alle HIV-Medikamente werden bisher vor allem an Männern getestet, die in vielen Ländern die Mehrheit der Infizierten stellen. Ob die Präparate im weiblichen Körper mit seinem spezifischen Stoffwechsel und Hormonhaushalt genauso wirken, ist nicht immer umfassend bekannt. Unterschiede zwischen den Geschlechtern wurden auf verschiedenen Aids-Kongressen präsentiert: Frauen leiden doppelt so häufig wie Männer an der Langzeitnebenwirkung Lipodystrophie (Fettverteilungsstörung) und reagieren auch auf bestimmte Medikamente stärker mit Nebenwirkungen (Leberschäden).

HIV-Therapie und Weitergabe der Infektion

HIV-positiv sein heißt, lebenslang für andere Menschen ansteckend zu sein. Im Blut und in anderen zellreichen Körperflüssigkeiten wie Scheiden- oder Samenflüssigkeit befindet sich ansteckungsfähiges HIV.

Auch wenn das Virus als Folge erfolgreicher HIV-Therapie nicht mehr im Blut nachweisbar ist, kann die HIV-Konzentration in der Samenflüssigkeit oder im Scheidensekret durchaus noch hoch genug sein, um die Infektion an andere Menschen weiter zu geben.

Darum gilt auch für HIV-Patienten in erfolgreicher Behandlung: zum Schutz der Partnerinnen und Partner vor Ansteckung gibt es keine Alternative zu Safer Sex.



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