Sie sind hier:

Methoden Eine kurze Einführung in die Arbeit der Aidsprävention und Sexualaufklärung

Wir freuen uns, dass Sie sich im Bereich der HIV-Prävention und der Prävention anderer sexuell übertragbarer Infektionen (STI) engagieren!

Für den Fall, dass Sie noch wenig Erfahrung in der Präventions- und Aufklärungsarbeit haben, möchten wir Ihnen einen kurzen Überblick über die wesentlichen Erfolgsfaktoren geben.

Die Sexualität ist ein sehr intimer Bereich des Menschen. Darüber zu sprechen, fällt den meisten schwer. Gespräche über Sexualität sind jedoch ein wesentlicher Bestandteil der Präventions- und Aufklärungsarbeit. Allen, die hier wenig Erfahrung haben, möchten wir daher empfehlen: Lassen Sie sich von „Aufklärungs-Profis“ bei der Methoden-Durchführung unterstützen.
„Aufklärungs-Profis“ arbeiten in den Beratungsstellen der Gesundheitsämter, in AIDS-Hilfen, bei pro familia, Donum Vitae oder zahlreichen weiteren freien oder kirchlichen Trägern. „Aufklärungs-Profis“ in Ihrer Nähe finden Sie im Bereich Beratung.

Sexualität ist vielfältig und bunt. Um in der Präventionsarbeit niemanden über unbedachte Äußerungen bloßzustellen, ist eine offene und akzeptierende Grundhaltung unerlässlich. Offen und akzeptierend kann jedoch nur sein, wer sich zuvor mit den eigenen Ansichten, Werten und gegebenenfalls Vorurteilen auseinandergesetzt hat. Folgende Fragen können Ihnen bei der Selbstreflexion hilfreich sein: Welche Werte und Normen wurden Ihnen von Ihren Eltern/ der Schule vermittelt? Wie waren Ihre ersten sexuellen Erfahrungen? Wie stehen Sie zu Ihrer Sexualität? Wie ist Ihre Einstellung zu sexuellen Orientierungen wie Homo- und Bisexualität? Wie verantwortungsvoll ist Ihr eigener Umgang mit Verhütung und Safer Sex? Wie würden Sie mit HIV-positiven Menschen umgehen?

Den „richtigen“ Zeitpunkt kann man nicht an einem bestimmten Alter fest machen. Die Altersangaben in den Methoden sind daher nur als eine Empfehlung zu verstehen. Sie kennen Ihre Jugendlichen am besten und können somit auch einschätzen, wann diese „alt genug“ für ein Thema sind. Generell sagt man jedoch, dass Jugendliche vor ihren ersten sexuellen Kontakten aufgeklärt werden sollen – am besten in der Pubertät. Für den Eintritt in die Pubertät gibt es kein „Stichdatum“. Durchschnittlich beginnt die Pubertät bei Mädchen ca. ab dem 11. und bei Jungen ca. ab dem 12. Lebensjahr.

Im Sexualkundeunterricht sind die Lehrer verpflichtet, die Eltern über den methodischen Ansatz und die eingesetzten Medien zu informieren. Wir empfehlen daher, auch für die Aids- und Sexualaufklärung in der offenen Jugendarbeit das Einverständnis der Eltern einzuholen.
Bei der Information der Eltern können die folgenden Argumente hilfreich sein:
Die HIV-/STI-Prävention und Sexualaufklärung ermöglichen den Jugendlichen einen eigenverantwortlichen Umgang mit der eigenen Sexualität, indem sie die persönlichen Kompetenzen der Jugendlichen stärken. Wer mit seiner Sexualität eigenverantwortlich umgehen kann, hat ein wesentlich geringeres Risiko ungeplant schwanger zu werden oder sich mit HIV anzustecken.

Überlegen Sie im Vorfeld, ob Eltern möglicherweise Einwände oder Befürchtungen haben könnten – beziehen Sie die Jugendlichen ggf. dabei ein. Eine Befürchtung, die wir häufig hören, ist, dass Aufklärung zu mehr Promiskuität führt. Unsere Erfahrungen aus 25 Jahren Aidsaufklärung in Deutschland haben hingegen gezeigt, dass Aufklärung nicht zu früherer Aufnahme sexueller Kontakte führt. Weder das Sexualverhalten von Erwachsenen noch von Jugendlichen hat sich in Deutschland aufgrund der Prävention im Sinne von mehr Promiskuität verändert.
Weitere Tipps für die Information der Eltern erhalten Sie von den „Aufklärungs-Profis“ in Ihrer Nähe.

Das Thema Sexualität ist in den Medien allgegenwärtig. Dennoch fällt es den meisten Menschen schwer, in einem Gespräch über sexuelle Themen die richtigen Worte zu finden. Überlegen Sie sich daher: Welche Worte möchte ich benutzen? Welche sind in der Gruppe OK? Welche zu „klinisch“? Welche „vulgär“? Beachten Sie bei Ihren Überlegungen: Worte, die für den Einen selbstverständlich sind, treiben einem Anderen die Schamesröte ins Gesicht. Ihr „Fingerspitzengefühl“ ist gefragt!

Erfahrungsgemäß unterscheidet sich der Sprachstil von Erwachsenen und Jugendlichen deutlich. Der Austausch über von Ihnen als vulgär oder unpassend empfundenen Worte macht den Jugendlichen die Wirkung unterschiedlicher Sprachstile bewusst. Wenn möglich soll sich die Gruppe auf einen für alle akzeptablen Wortschatz einigen.

Für die Kondomdemonstration eignen sich Gegenstände wie eine kleine Banane, eine kurze Zucchini oder Holzdildos in unterschiedlichen Größen. Achten Sie darauf, dass der Gegenstand nicht zu groß ist. Mädchen können durch überdimensionierte Größen verängstigt und Jungen frustriert werden. Wenn Sie keinen passenden Gegenstand zur Hand haben, tun es auch zwei ausgestreckte Finger.
Begleiten Sie die Jugendlichen, indem Sie jeden Schritt der Kondomdemonstration laut ansagen. “Aufklärungs-Profis“ unterstützen Sie gerne und können Ihnen Kondome zur Verfügung stellen.

Ob Sie wollen oder nicht: Ihr persönliches Rollenverständnis als Mann oder Frau und wie Sie sich als Mann oder Frau verhalten, dient den Jugendlichen als „Vorbild“. Jugendliche nehmen vorgelebte Geschlechterrollen unbewusst an und beginnen diese zu „leben“. Ihr Rollenverständnis prägt somit die Identitätsentwicklung der Jugendlichen mit. Neben „Ihrem“ Rollenverständnis gibt es jedoch noch andere Ideen von Weiblichkeit und Männlichkeit. Die Kunst ist, bei sich zu bleiben und die anderen Ideen nicht zu werten. Dafür ist es notwendig, das eigene Rollenverständnis als Mann oder Frau auf Klischees zu hinterfragen: Was ist für Sie „typisch“ Mann oder Frau? Welche Verhaltensweisen sind Ihrer Meinung nach für Männer und welche für Frauen „richtig“?

Achten Sie in Ihrer Präventionsarbeit darauf, Mädchen und Jungen gleichermaßen zu beteiligen. Um ein offenes Gespräch zu ermöglichen, kann es hilfreich sein, Mädchen und Jungen zu trennen. Übrigens: Eine Trennung erhöht auch die Neugier nachher zu erfahren, was in der jeweils anderen Gruppe besprochen wurde!
Gemischtgeschlechtliche Gruppen sollten, wenn personell möglich, von einer Frau und einem Mann geleitet werden.

Schaffen Sie ein Klima, in dem sich niemand in seinem Denken, Fühlen und Handeln ausgegrenzt fühlt oder in seiner Intimsphäre verletzt wird. Dieser Punkt ist immer zu beachten, besonders jedoch in der interkulturellen Präventionsarbeit. Denn hier kann es passieren, dass gegensätzliche Wertvorstellungen aufeinander treffen. Meinungen und Einstellungen zu Themen wie Partnerwahl, das erste Mal, vor-/außerehelicher Geschlechtsverkehr und Homosexualität können je nach kulturellem Hintergrund sehr unterschiedlich sein. Im Gespräch können diese Unterschiede zu Konflikten führen. Erarbeiten Sie daher vor Einstieg in die Gruppenarbeit mit den Jugendlichen gemeinsam Regeln für einen respektvollen Umgang. In „heiklen“ Diskussionen können Sie die Jugendlichen dann an die vereinbarten Gesprächsregeln erinnern und Sie darum bitten, diese einzuhalten. Für die Diskussion mancher Themen kann es auch sinnvoll sein, geschlechts- und herkunftsspezifische Gruppen zu bilden.

In der interkulturellen Präventionsarbeit kommen häufig familiäre Bezugssysteme oder Glaubensinhalte zur Sprache. Nehmen Sie diese ernst, werten Sie diese nicht und werten Sie diese auf gar keinen Fall ab. Machen Sie vielmehr die Vielfältigkeit von Wert- und Glaubensvorstellungen transparent. Reflektieren Sie Vielfalt und Unterschiedlichkeit in der Gruppe – verdeutlichen Sie auch Ihre persönliche Einstellung hierzu. Auch hier wieder ohne abzuwerten! Auf diese Weise können Sie einen wertvollen Beitrag zum Austausch und zur Integration leisten!

Wenn Sie mit Gruppen über unterschiedliche sexuelle Identitäten oder den Umgang mit von HIV Betroffenen sprechen, kann es neben Äußerungen der Offenheit und Toleranz auch zu Vorurteilen, Ablehnung oder Schuldzuweisungen kommen. Nehmen Sie diese Äußerungen ernst. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass Sie jede Meinung und Verhaltensweise akzeptieren müssen. Aber diskutierbar sollte sie sein. Denn die Präventionsarbeit lebt von lebendigen, auch kontroversen Diskussionen. Die Präventionsziele können und sollen Sie nichtsdestotrotz klar vertreten. In der Regel ist hierfür immer eine Mehrheit der Jugendlichen zu gewinnen.

Wählen Sie die Methode aus, mit der Sie sich wohlfühlen - nur so können Sie authentisch sein.
Zum Abschluss noch ein grundsätzlicher Hinweis: Je nach Sensibilität des Methoden-Themas, Tiefe der Diskussion und Gruppengröße bzw. Gruppenkonstellation kann die Dauer der Methoden variieren. Verstehen Sie bitte die angegebenen Zeiten daher nur als „Mittelwert“.

Wir wünschen Ihnen spannende und interessante Aufklärungsstunden!

Hinweis:
Wenn Sie im Methodenfinder Methoden zur Bestellliste hinzufügen, wird automatisch ein PDF dieser Einführung ergänzt.

Alternativ können Sie das PDF hier herunterladen:

Direkt downloaden

Methodenfinder

Der Methodenfinder ist mit einer Vielzahl von Methoden aus den Bereichen der HIV- und STI-Prävention sowie der Sexualaufklärung ausgestattet. Wir hoffen, dass auch für Ihr Präventionsvorhaben die passende Methode dabei ist!

Methoden finden