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Bundeswettbewerb Aidsprävention 2008

Prämiert mit Sonderpreis in Höhe von 1.000 Euro: Gib Acht im Verkehr

Zielgruppe
Ein Projekt für Jugendliche und Erwachsene im Alter von 14 bis 25 Jahren

Die Projektverantwortlichen
Polizeidirektion Künzelsau und Gesundheitsamt Hohenlohekreis
Ansprechpartner: Herr Polizeihauptkommissar Trumpp
E-Mail Anschrift: Uwe.Trumpp@polizei.bwl.de
 
 

Gruppenbild vor einer Stellwand: Initiatoren + Polizeibeamte

Die Innovation
Innovative Zugänge
Dieser Zugang zur Zielgruppe Jugendlicher und junger Erwachsener überrascht. Die Aidsprävention erreicht sie von einer Seite, mit der die Zielgruppe nicht rechnet. Die piktogrammunterstützten Kurzvorträge zu HIV, zu sexuell übertragbare Krankheiten, Aids, Tests und Beratung finden im Anschluss an Informationen zu sicherem Fahrverhalten statt. Diese Verknüpfung sorgt dafür, dass auch Zielgruppen, die nicht ohne Weiteres offen für die Anliegen der Aidsprävention sind, wichtige Präventions- und Schutzbotschaften erhalten. Durch den Einbezug der Infrastruktur der Straßenverkehrserziehung über die Polizei, Kreisverkehrswachten, Schulen, Ausbildungsstätten und Fahrschulen werden viele junge Fahrerinnen und Fahrer erreicht. Die Kooperation mit dem Gesundheitsamt stellt die Fachlichkeit sicher und sorgt zugleich dafür, dass die Jugendlichen und jungen Erwachsenen erfahren, wer in ihrer Region Beratung und Tests anbietet.

Schlüsselanhänger mit dem Hinweis "Gib Acht im Verkehr"

Innovative Methoden
Durch die strategische Nutzung der Doppeldeutigkeit des Slogans "Gib Acht im Verkehr" und die geschickte Übertragung riskanter Fahrweisen auf riskante Sexualpraktiken wird hohe Aufmerksamkeit erzeugt. Im Anschluss an die Kurzvorträge werden als Give away Schlüsselanhänger in Form eines Warndreiecks vergeben. Auf ihnen ist der Slogan mehrsprachig aufgedruckt. In der Hülle des Warndreiecks befindet sich ein Kondom. Die wichtigsten Schutzbotschaften werden so auf originelle Weise verankert. Durch den Einsatz von Piktogrammen und mehrsprachigen Slogans werden auch Menschen mit Migrationshintergrund erreicht. Das macht das Projekt besonders beispielhaft und vorbildlich.

Kooperationspartner/Kooperationspartnerinnen
Das Projekt lebt von verlässlichen Kooperationen und einer unkomplizierten Zusammenarbeit. So hat die die Firma GEMÜ langfristig die Produktion der Schlüsselanhänger über ihre Lehrlingswerkstatt zugesagt, die Kreisverkehrswacht Hohenlohe engagiert sich weiterhin, um die Kosten für den Kauf von Kondomen mit Informationsfaltschachteln aufzubringen. Und auch das Gesundheitsamt unterstützt das Projekt weiter mit seiner fachlicher Beratung und Auswertung. Diese weitreichende und verlässliche Kooperation hat das Projekt überhaupt erst möglich gemacht. Bei der Übertragung des Projektes auf weitere Landeskreise wird deshalb auch diese Zusammenarbeit als bewährtes Modell zur Nachahmung empfohlen.

Flugzeug, das Banner mit der Aufschrift "Gib Acht im Verkehr" hinter sich herzieht

Die Erfahrungen
Die Nutzung der Infrastruktur der Polizei aus dem Präventionsbereich für Angebote der Aidsprävention hat sich bewährt und ist auf andere Regionen und Bundesländer übertragbar. Durch die Kooperation mit dem Gesundheitsamt und örtlichen Sponsoren, die sich langfristig engagieren, ist zugleich Nachhaltigkeit gewährleistet. Die Polizei nutzt die Möglichkeit, junge Fahrerinnen und Fahrer überraschend mit Informationen zu HIV, sexuell übertragbaren Krankheiten und Aids anzusprechen und auf diese Weise zugleich die Angebote örtlicher Beratung und sozialer/medizinischer Versorgungsstruktur besser bekannt zu machen. Dieser Versuch ist geglückt und soll deshalb weiter langfristig im Hohenlohekreis umgesetzt werden.

Die besonderen Stärken des Projektes im Überblick

  • Durch die Nutzung "fremder" Infrastrukturen für Angebote der Aidsprävention werden Zugänge zu oft schwer erreichbaren Zielgruppen eröffnet.
  • Die Aufnahme "fremder" Inhalte, wie Informationen zu HIV, sexuell übertragbare Krankheiten (STD) und Aids in der Verkehrserziehung erzeugt Aufmerksamkeit.
  • Unterschiedliche örtliche Partner arbeiten "Hand in Hand".

Die Einschätzung der Jury
Der Zugang zur Zielgruppe Jugendlicher und junger Erwachsener ist innovativ. Die Aidsprävention kommt von einer Seite, von der die Zielgruppe sie nicht erwartet. So erhalten auch Zielgruppen, die nicht offen für Aidsprävention sind wichtige Schutzbotschaften und Wissen zum Schutz vor HIV, STD und Aids. Das Vermittelte wird auf originelle Weise verankert.
 
 

Laudatio: Prof. Dr. Wolf Rainer Leenen

Mein Name ist Rainer Leenen; ich bin Professor an der Fachhochschule Köln und leite dort ein Institut, das sich schwerpunktmäßig mit Fragen der Migration, des interkulturellen Austauschs und der interkulturellen Bildung und Organisationsentwicklung beschäftigt. (www.interkulturelle-kompetenz.de)

Wir haben uns in Forschungsprojekten der letzten Jahre auf der einen Seite mit der notwendigen interkulturellen Öffnung deutscher Institutionen (insbesondere von Verwaltungsbehörden, aber auch mit der Entwicklung interkultureller Fortbildungsreihen für die Polizei) befasst; auf der anderen Seite haben wir uns u.a. auch mit dem Problem der Integration von Jugendlichen mit einem Migrationshintergrund in den deutschen Arbeitsmarkt beschäftigt. Gerade aus dem letzten Projekt ist mir die besondere Schwierigkeit gegenwärtig, jugendliche Zielgruppen mit Migrationshintergrund auf Themen anzusprechen, die in ihren sozialen Netzwerken ganz anders oder auch manchmal gar nicht offen besprochen werden.

Der Titel des Projektes "Gib Acht im Verkehr" ist zwar ein "Kalauer", den aber die Jury sehr zu schätzen wusste, weil unter diesem Titel mit einem gewissen Aufmerksamkeitseffekt junge Menschen, auch die mit Migrationshintergund, im Rahmen einer Straßenverkehrserziehung überraschend auch mit ganz anderen Fragen der Sicherheit und des Risikos (nämlich mit Aidsprävention) konfrontiert werden. Solche Präventivbotschaften einmal in einem ganz anderen thematischen Umfeld zu senden und die Glaubwürdigkeit von Polizeibeamten zu nutzen, um für das Problem zu sensibilisieren, erschien uns innovativ.

Wer mit Polizisten schon einmal gearbeitet hat, weiß, dass das Prinzip der Eigensicherung bei den Einsätzen der Beamten eine zentrale Rolle spielt. Die einschlägigen Vorschriften bzw. Empfehlungen hierzu sind sogar in einer Dienstvorschrift (450: Selbstschutz der Polizei − VS-NfD) bzw. in einem eigens entwickelten Leitfaden (371: Eigensicherung im Polizeidienst − VS-NfD) bundesweit geregelt. Ich fand es ganz witzig, dass dieser Grundsatz der Selbstsicherung nun auf die körperliche Liebe übertragen wird. Es zeigt, dass die Polizei in Künzelsau Humor hat, und ich kann mir gut vorstellen, dass sie als die Spezialisten für Sicherheitsfragen gerade bei Jugendlichen mit ihren Sicherheitsbotschaften gut ankommen wird.
Ob der geplante Schlüsselanhänger ästhetisch bei dieser Zielgruppe genauso gut ankommen wird, darüber waren wir uns in der Jury etwas uneinig. Auf jeden Fall ist die Grundidee, dass jeder junge Fahrer, jede junge Autofahrerin in ihrem Schlüsselanhänger im Falle eines Falles ein Kondom zur Hand hat, überzeugend.

Das Projekt erhält einen Sonderpreis in Höhe von 1.000 Euro, der dazu motivieren soll, weiterhin mit viel Elan und Engagement junge Fahrerinnen und Fahrer zu erreichen und Aidsprävention über Vorträge und Schlüsselanhänger zu platzieren.

Wir wünschen Ihnen mit ihrer umfassenden Verkehrserziehung viel Erfolg.

Nachgefragt

Die Preisverleihung hat weiter für gute Fahrt gesorgt und zu einem Imagegewinn und Bekanntheitsgrad, sogar bis ins deutschsprachige Ausland, beigetragen. Die Kreisverkehrswacht eines anderen Bundeslandes prüft derzeit eine Übertragbarkeit und die Chancen stehen gut, dass es die innovative Vorgehensweise aus Künzelsau übernimmt. Und über den Sponsor des Projektes wurde Kontakt zu einem Collegeblock-Hersteller aufgenommen. Ein Comic auf dem Block soll die Doppeldeutigkeit "Gib Acht im Verkehr" in einer Comicgeschichte humorvoll umsetzen.



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