Eine Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Zielgruppe
Ein Projekt für weibliche und männliche Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund
Die Projektverantwortlichen
Amt für Soziale Arbeit, Abteilung Jugendarbeit, Wiesbaden
Ansprechpartnerin: Frau Conny Meyne
E-Mail Anschrift: conny.meyne@wiesbaden.de
Die Innovation
Innovative Zugänge
Peer-Group-Education-Projekte sind in der Aidsprävention und Sexualpädagogik nichts Neues. Bei dem Projekt Dr. Make Love ist es dennoch gelungen, etablierte Methoden und Zugänge innovativ aufzuwerten. Jugendliche einer Gesamtschule wurden besonders darauf vorbereitet, auch bildungsbenachteiligte Schülerinnen und Schüler, die z.B. auf dem zweiten Bildungsweg ihren Hauptschulabschluss nachholen, zu erreichen. Die Jugendlichen planen und entwickeln weitestgehend selbstverantwortlich Veranstaltungen zu HIV, Aids, Liebe und Sexualität. Deshalb verfügen die Veranstaltungen über eine ungewöhnliche Authentizität und erhalten viel Zuspruch und Aufmerksamkeit von der Zielgruppe. Um die Veranstaltungen auf fachlich gesichertem Niveau und handlungssicher anzubieten, werden die Jugendlichen zuvor allerdings intensiv und sorgfältig geschult. Die Vermittlung von Soft Skills, wie Präsentieren und Feedback geben, schafft den beteiligten Jugendlichen gleichzeitig verbesserte Zugangschancen zum Bildungs- und Ausbildungsmarkt.
Innovative Methoden
Oft wird Jugendlichen zu wenig zugetraut. Gerade Jugendliche, die über Migrationshintergrund verfügen, werden eher als Zielgruppen wahrgenommen, für die besondere Angebote bereitgestellt werden müssen, statt ihre Fähigkeiten und Stärken anzuerkennen und zu nutzen. Dies sieht im Projekt des Amtes für Soziales der Stadt Wiesbaden ganz anders aus. Die Jugendlichen haben einen ambitionierten und anspruchsvollen Lehrplan vor sich, bevor sie als Peers eingesetzt werden. Die maximal 16 Jugendlichen erhalten über ein Halbjahr im Rahmen des Wahlpflichtunterrichtes und ein weiteres freiwilliges halbes Jahr sowohl ein fundiertes Wissen zu biologischen Körpervorgängen, Pubertät, Verhütung, HIV und Aids, sexuelle Lebensformen, Sexualität in verschiedenen Kulturen, Liebe und Partnerschaft als auch "Handwerkszeug" zur Vermittlung. Sie lernen praxisnah und im Tun die in der Arbeitswelt geschätzten Soft Skills, was ihre beruflichen Chancen deutlich erhöht.
Kooperationspartner/ Kooperationspartnerinnen
Im Projekt wird immer wieder nach Veranstaltungsorten gesucht, an denen sich die Zielgruppe aufhält. Dies setzt die Zusammenarbeit mit Schulen, Fachstellen und Freizeitanbietern voraus. Dazu gehören auch Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner mit Migrationshintergrund, die dem Projekt offen und reflektiert gegenüberstehen. Dies verlangt Überzeugungsarbeit, Zeit und Geduld. Selbstverständlich gehören auch die Schulen dazu, mit denen Dr. Make Love umgesetzt wird. Hier müssen Lehrpläne, Aktionstage und Wochenendseminare abgestimmt und organisiert werden. Dies erfordert von beiden Seiten Flexibilität und kollegiale Zusammenarbeit.
Die Erfahrungen
Es ist gelungen, interkulturelle Teams aufzubauen, da Jugendliche mit verschiedenen kulturellen Hintergründen (Türkei, Griechenland, Spanien und Italien) als Fachkräfte aufgebaut wurden. Da die Jugendlichen die Veranstaltungen, mit einer soliden Wissens- und Methodenbasis im Rücken, selbstständig durchführen, fühlen sich wiederum die von ihnen informierten Jugendlichen nah an ihren Bedürfnissen und Fragen abgeholt. Die jugendlichen Fachkräfte sprechen "ihre Sprache" und bewegen sich in ihrem Erfahrungs- und Erlebnishorizont. Das hohe Zutrauen, das in die Jugendlichen gesetzt wurde, hat sich ausgezahlt; sie konnten durchgehend handlungssicher informieren und aufklären.
Die besonderen Stärken des Projektes im Überblick
Die Einschätzung der Jury
Dass für diesen ambitionierten und differenzierten Peer-Group-Education Ansatz besonders Jugendliche mit niedrigen Bildungsabschlüssen aufgesucht und angesprochen werden, ist ein besonderer Vorzug des Projektes. Das Projekt hebt sich auch aufgrund der sorgfältigen und vielschichtigen Ausbildung von anderen Peer-Projekten deutlich ab. Die Jugendlichen profitieren in mehrfacher Hinsicht von ihrer Teilnahme. Ein Beispiel besonders gelungener Aidsprävention!
Sehr geehrte Damen und Herren,
mein Name ist Laura Kouznetsov. Ich bin als medizinische Soziologin in der AIDS-Beratungsstelle der Universitätshautklinik in München tätig.
Das mangelhafte Wissen über HIV-Infektion und AIDS-Prävention, über Verhütung und sogar den eigenen Körper bei den Jugendlichen ist immer noch ein aktuelles und wichtiges Problem unserer Zeit.
Ich freue mich deshalb sehr im Namen der Jury einen Sonderpreis an die Mitarbeiter des Amtes für Soziale Arbeit, Abteilung Jugend der Stadt Wiesbaden für ihr außergewöhnliches Peer Education Projekt "Dr. Make Love" überreichen zu dürfen.
Im diesem Projekt wird das Ziel der Vermittlung von Information und der Aufklärung zu den Themen Freundschaft, Liebe, Sexualität, Prävention von AIDS bei Teenagern dadurch erreicht, dass die freiwillig teilnehmenden Schülerinnen und Schüler fundiert über biologische Körperfunktionen, pubertäre Entwicklungsprozesse, Verhütung, HIV-Infektion und -Prävention sowie zu vielen anderen Themen, die zum Liebesleben dazu gehören, ausgebildet werden mit der Aufgabe, dieses Wissen an die Gleichaltrigen weiterzugeben. In der zweiten Projektphase erhalten die Jugendlichen darüber hinaus auch noch eine gründliche Ausbildung in Vermittlungs- und Präsentationstechniken, Kommunikationsfähigkeiten und Umgang mit Störungen. Am Ende dieser Ausbildung werden Qualifizierungszertifikate, auch zu diesen heute sehr gefragten Soft Skills, ausgestellt. Dies birgt für die beteiligten Jugendlichen bei der Berufs- oder Ausbildungskarriere erhebliche Vorteile.
Die Jury ist der Meinung, dass das Projekt "Dr. Make Love" sich aufgrund seiner differenzierten und sorgfältigen Peerausbildung von anderen Peerprojekten deutlich abhebt und dadurch unseren Sonderpreis in Höhe von 1.000 Euro verdient. Diese Anerkennung soll dazu beitragen, das Projekt weiterhin mit dieser Sorgfalt und Zielgruppennähe durchzuführen.
Zur heutigen Auszeichnung darf ich Ihnen herzlich gratulieren und viel Erfolg bei der Verwirklichung Ihres Vorhabens wünschen.
Herzlichen Glückwunsch!
Die Preisverleihung hat zu einer internen und öffentlichen Aufwertung geführt. Darauf hat man sich in Wiesbaden aber nicht ausgeruht; das Engagement geht ungebrochen weiter. Die jugendlichen Peers werden nun verstärkt von Lehrkräften im naturwissenschaftlichen Schulunterricht der Klassen sechs bis acht eingesetzt. Und das Licht des Sirius hat noch weiter gestrahlt. Schon kurze Zeit nach der Preisverleihung geriet das Projekt bei einer Tagung erneut in die Wahrnehmung von Fachwelt und Presse und hat für weitere Berichterstattung gesorgt. Mit frischem Wind geht es jetzt auch noch mit einem weiteren Projekt "Culture of love" weiter, dem eine ähnliche Struktur wie bei Dr. Make Love zugrundeliegt, das sich aber besonders an Jugendliche mit Migrationshintergrund richtet.
Einstellung der Projekte
01.03.2010 bis 15.06.2010
Bewertung der Projekte
16.06.2010 bis 20.09.2010
Nominierung erfolgt
ab 21.09.2010
Prämierung der Gewinner
am 22.10.2010
Präsentation der Projekte
ab 25.10.2010