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Bundeswettbewerb Aidsprävention 2008

Nominiert: Tuned-Jugendprojekt

Zielgruppe
Ein Projekt für Jugendliche zwischen 13 bis 19 Jahren

Die Projektverantwortlichen
Jugendsteg e.V./Stadtteilzentrum Steglitz
Ansprechpartner: Nico Hartung
E-Mail Anschrift: hartung@tuned-jugendprojekt.de
Website: www.tuned-jugendprojekt.de
 
 

Vier junge Männer auf einem Sofa

Die Innovation
Innovative Zugänge
In einer offenen Runde werden mit Jugendlichen Tracks und Rap-Songs, erarbeitet. Zu HIV und Aids wird durch das Reimen und Rhythmen mit anschließenden Gruppengesprächen ein niedrigschwelliger, sexualpädagogischer Ansatz umgesetzt. Ziel ist es, die Jugendlichen dort abzuholen, wo ihre Interessen und vor allem ihre Leidenschaften liegen. Die vorwiegend männlichen Jugendlichen können sich über Rap unbeschwert und ungefiltert ausdrücken. Schamgrenzen, Minderwertigkeitsgefühle und Rückzug werden über die Ausdrucksform Rap aufgebrochen. So sind selbst Zugänge zu Jugendlichen möglich, die für Gesprächsangebote oder andere interaktive Präventionsangebote sonst nicht offen sind.
Zum Projektabschluss erhalten die Jugendlichen eine CD mit ihrer Musik und ihren Raps.

Junger Mann mit Kopfhörern vor einem Mikrofon

Innovative Methoden
Die Methode erlaubt einen sehr guten Zugang zu den Themen HIV und Aids. Besonders Jugendliche, die sexualpädagogischen Angeboten eher ablehnend gegenüberstehen, werden durch dieses Angebot sehr gut erreicht. Durch die eigenwilligen Ausdrucksformen wird "by the way" eine intensive Selbstbefragung und Auseinandersetzung mit Liebe, Verhütung, Schutz, Verantwortung, Infektion, Solidarität erreicht. Die Zielgruppe wird auf diese Weise sehr ernst genommen und dort abgeholt, wo sie steht. Die Kooperation zwischen Jugendhilfe und Schule ermöglicht, dass der "Begeisterungsfunke" überspringt und auch Jugendliche aus weiteren Einrichtungen über diesen Zugang erreicht werden können. Die Projektmethoden sind einfach übertragbar. Hierbei sollen in Zukunft die Aids-Hilfe und andere Fachstellen noch mehr einbezogen werden.

Ein junger Mann sitzt an einem Tisch und schreibt etwas auf

Kooperationspartner/ Kooperationspartnerinnen
Das Projekt wird in einer Jugendfreizeiteinrichtung und künftig auch in Schulen umgesetzt. Die Schulen profitieren von den Erfahrungen, die im Jugendsteg e.V./Stadtteilzentrum Steglitz gesammelt wurden und gut übertragen werden können. Bei der Durchführung des Projektes in Schulen wird sich zeigen, ob die freiwilligen Freizeitangebote auch in einem verpflichtenden Rahmen greifen können. Die positiven Erfahrungen aus der Jugendfreizeiteinrichtung lassen dies erwarten. Noch mehr als zuvor spielt dann der Input von Fachstellen und die sexualpädagogische Aufarbeitung und Reflexion eine wichtige Rolle.

Die Erfahrungen
Die Jugendlichen haben es im Projekt sehr geschätzt, ihre Gefühle und Einstellungen über das Medium Rap ohne Scham und Hemmungen zum Ausdruck bringen zu können. Nahezu unbemerkt lernen sie dabei frei und flüssig zu sprechen. Ihre Reime, Rhythmik und Metrumsuche wurde dabei gezielt genutzt, um thematisch "andocken" zu können. Immer wieder entstanden intensive Gruppengespräche und auch die Meinung und Einstellung der anderen wurde neugierig erfragt. Die Jugendlichen reflektieren dabei ihren persönlichen Umgang mit Sexualität, Partnerschaft, Liebe, HIV und Aids in erstaunlich offener Weise.

Die besonderen Stärken des Projektes im Überblick

  • Der Zugang ist außerordentlich niedrigschwellig angelegt.
  • Es werden bildungsferne Zielgruppen erreicht.
  • Die Projektmethoden sind einfach und gut übertragbar.

Die Einschätzung der Jury
Das Projekt ermöglicht besonders schwer erreichbaren Jugendlichen einen Zugang, der authentische Auseinandersetzungen zulässt. Über eine künstlerische Ausdrucksform von eigenen Gefühlen, Fragen, Verletzungen, Ansichtsweisen entstehen Fragen und Konflikte, Schamgrenzen und Tabus können zutage treten. Dies schafft auf beeindruckende und nachahmenswerte Weise Voraussetzungen, an denen sexualpädagogisch angesetzt werden kann. Diese Offenheit wird durch Kunst erzeugt und kann in idealer Weise mit Angeboten der Aidsprävention verzahnt werden.

Nachgefragt

Rappen ist für Jugendliche eine attraktive Art und Weise, um sich authentisch und selbstbestimmt auszudrücken. Jugendliche, die sonst nicht ohne weiteres das Wort ergreifen würden, nehmen über Rap Stellung zu wichtigen Themen, die ihr Leben betreffen. Diese Chance soll weiterhin, auch im Sinne des Schutzes vor Aids, im Jugendtreff genutzt werden. Deshalb steht für Nico Hartung, der die Jugendlichen dabei unterstützt, Aids und Schutzverhalten auch weiterhin auf der "Tagesordnung". Er wünscht sich, dass die öffentliche Aufmerksamkeit künftig auch auf kleinere Projekte gelenkt wird, damit sie ausreichend Gehör und eine Förderung finden.



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