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Bundeswettbewerb Aidsprävention 2008

Nominiert: Wer soll es wissen? - Informationsmanagement für HIV-Positive

Zielgruppe
Ein Projekt für HIV-positive Menschen

Die Projektverantwortlichen
Netzwerk der Angehörigen von Menschen mit HIV und Aids e.V.
Ansprechpartner: Jürgen Senger
E-Mail-Anschrift: vorstand@angehoerige.aidshilfe.de
Website: www.angehoerige.aidshilfe.de
 
 

Kopfportrait einer älteren Dame namens Erika

Die Innovation
Innovative Zugänge
Menschen, die von ihrer HIV-Infektion erfahren haben, werden über Telefon, E-Mail und im persönlichen Gespräch, unter dem Blickwinkel von An- und Zugehörigen, beraten. Gerade beim Umgang mit sozialen Bezugspersonen, Verwandten und in Partnerschaften besteht oft Angst, sich zu offenbaren und sich mit der HIV-Infektion und vielleicht bisher nicht offen ausgelebten Homosexualität zu outen. Das Beratungsangebot schafft Raum für HIV-positive Menschen, um sich angstfrei mit ihrer Infektion und Aids auseinanderzusetzen. Dies schützt auch derzeitige und künftige Partner vor einer Ansteckung. Effektiver Schutz setzt Offenheit und Informiertheit voraus, um verantwortlich handeln zu können. Das Angebot hilft, anstehende Entscheidungen zu treffen, die HIV-Infektion anzuerkennen und individuelle Copingstrategien zu entwickeln. Bei der Beratung wird ebenfalls dazu motiviert, professionelle Hilfe- und Beratungssysteme in Anspruch zu nehmen.

Kopfportrait einer älteren Dame namens Sigrun

Innovative Methoden
Die erste Sorge von Menschen, die sich infiziert haben, gilt oft den An- und Zugehörigen und Partnern. Aus Angst vor Aufdeckung und Stigmatisierung können sich HIV-infizierte Menschen oft nicht vorwärtsgerichtet mit der eigenen neuen Lebenssituation auseinandersetzen. Oft bedeutet die Mitteilung der Infektion bei An- und Zugehörigen zugleich ein Coming Out und ist mit Verlustängsten verbunden. Dies verhindert einen reflektierten und verantwortungsbewussten Umgang mit der Infektion. Deshalb ist die Methode, HIV-infizierte Menschen gerade durch An- und Zugehörige zu beraten, weiterführend und innovativ. Diese Vorgehensweise nimmt Ängste und hilft, mit der neuen Situation fertig zu werden. Die Schulungsinhalte der ehrenamtlich Beratenden werden unter anderem von professionellen Fachstellen, wie der Deutschen AIDS-Hilfe, geleistet.

Kooperationspartner/Kooperationspartnerinnen
Die Beratungsarbeit wird von regionalen AIDS-Hilfen und Beratungsstellen gestützt. Auch die Netzwerke von HIV-positiven Menschen unterstützen das Angebot durch Publicity und Bekanntmachung innerhalb ihrer Strukturen.

Kopfportrait eines Herren (Jürgen) mit Brille

Die Erfahrungen
Das Angebot schafft Raum und Gesprächsanlässe für HIV-positive Menschen, um sich mit HIV/AIDS und dem Umgang mit der Krankheit auseinanderzusetzen. Das Angebot schützt darüber hinaus An- und Zugehörige, insbesondere (bestehende bzw. angehende) Partnerinnen und Partner. Denn effektiver Schutz erfordert vor allem Reflexion und das Anerkennen der HIV-Infektion. Das Beratungsangebot fördert einen offenen Umgang mit HIV und Aids. So werden auch gesellschaftlich HIV und Aids erneut enttabuisiert. Menschen, die von ihrer HIV-Infektion erfahren oder an Aids erkranken sind nach wie vor durch soziale Ausgrenzung und Stigmatisierung betroffen. Das Angebot von An- und Zugehörigen setzt deshalb auch wichtige gesellschaftspolitische Signale von Solidarität und gemeinsamer Verantwortung.

Die besonderen Stärken des Projektes im Überblick

  • Das Angebot setzt an einem vernachlässigten, sekundärpräventiven Beratungs- und Unterstützungsbedarf an.
  • Die Schnittstelle zur fachlichen und therapeutischen Beratung und Intervention wird erkannt und eingehalten.
  • Die Kooperation mit professionellen Fachstellen, Beratungseinrichtungen, Netzwerken ist vorbildlich.

Die Einschätzung der Jury
Menschen, die von ihrer HIV-Infektion erfahren, fallen oft in ein tiefes Loch. Dann ist es tröstlich, aufbauend und hoffnungsvoll, wenn Menschen, die An- und Zugehörige von HIV-infizierten oder an Aids erkrankten Menschen sind, für Informationsmanagement und Fragen zur Verfügung stehen. Sie können authentisch vermitteln, dass Solidarität und Unterstützung keine Leerformeln sind, sondern in konkreter Unterstützung münden. Die enge Verbindung von Selbsthilfe mit professionellen Fachstellen führt zu einem vorbildlichen Projekt, das an einem hohen Bedarf anknüpft.
 
 

Nachgefragt

Die Nominierung hat zu einer erhöhten Wahrnehmung des Projekts beigetragen. Entscheidender war allerdings die zusätzliche Motivation für das Team, die von dieser öffentlichen Anerkennung ausging. Die Würdigung ihrer ehrenamtlich erbrachten Leistung hat den Beteiligten den Rücken gestärkt und die Einsatzbereitschaft weiter erhöht. Das Projekt wird mit großem Einsatz weitergeführt und ausgebaut. Seit kurzem gibt es einen zusätzlichen Flyer, in dem das Beratungsangebot zum Informationsmanagement für von HIV und Aids betroffene Menschen gesondert aufgegriffen wird. Im Rahmen der in Stuttgart stattgefundenen Positiven Begegnungen der Deutschen Aids-Hilfe hat unter unserer Mitwirkung ein Workshop "Positives Coming-out in Freundeskreis, Familie und Arbeitsumfeld" stattgefunden. Des weiteren greift das Netzwerk der Angehörigen von Menschen mit HIV und Aids e.V. nach sehr positiven Erfahrungen mit einem kleinen Workshop "Wer soll es wissen?" bei dem letzten Infotag in Lübeck dieses wichtige Thema auch in weiteren Infotagen (wie zum Beispiel am 23. Mai in Dortmund) wieder auf. Auch diese Impulse fließen in die weitere Beratungstätigkeit für HIV infizierte Menschen ein.



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