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Bundeswettbewerb Aidsprävention 2008

Prämiert mit 3.000 Euro zur Projektfortführung: Aids & Art

Zielgruppe
Ein Projekt für Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 9 für alle Schulformen (Schwerpunkt Hauptschulen)

Die Projektverantwortlichen
Arbeitskreis Sexualpädagogik in Wuppertal
Ansprechpartner: Ulrich Ippendorf
E-Mail Anschrift: praevention@awo-wuppertal.de
 
 

Drei Jungs beim breakdancen

Die Innovation
Innovative Zugänge
Biologieunterricht in Schulen ist ein bewährter und bekannter Zugang für die Aidsprävention. Mit dem Projekt Aids & Art wurde über den Kunstunterricht ein neuer Zugang identifiziert. Das Projekt lässt eine kreative und zugleich emotionale Auseinandersetzung mit den Themen HIV, sexuell übertragbare Krankheiten und Aids zu. In den beteiligten Schulen wurden im Zeitraum ab den Herbstferien bis zum Welt-Aids-Tag Kunstobjekte zu HIV und Aids von Jugendlichen selbstständig gestaltet. Zu Beginn der Projektphase wurden die Jugendlichen mit Informationen versorgt. Dazu gehörte z.B. die weltweite Bedeutung der Epidemie, die Lebenssituation HIV-infizierter und an Aids erkrankter Menschen, Infektionswege und Schutzverhalten. Fachkräfte des Arbeitskreises besuchten die beteiligten Klassen, um umfassend zu informieren. In den Schulen selber wurden im Anschluss Jurys aus der Schüler-, Lehrer- und Elternschaft gebildet, die die Ergebnisse intern bewerteten. Die von ihnen ausgewählten künstlerischen Umsetzungen wurden im letzten Schritt vom Arbeitskreis bewertet, auch unter sexualpädagogischer Perspektive. Die Prämierung und eine feierliche Veranstaltung dazu fand am Welt-Aids-Tag statt.

Drei junge Mädchen mit Präsentkorb und Plakat

Innovative Methoden
Die Methoden sind in mehrfacher Hinsicht innovativ. So wurde ein bewährter, fachbezogener Zugang in Schulen durch einen unverbrauchten, künstlerischen ergänzt, der neue Auseinandersetzungsmöglichkeiten zulässt. Zugleich stehen HIV, Aids, sexuell übertragbare Krankheiten, Lust und Liebe, Angst und Mut, Offenheit und Tabus, Ausgrenzung und Solidarität in den verschiedenen Projektphasen immer wieder neu und über einen längeren Zeitraum auf der Tagesordnung. Über schuleigene Jurys zieht das Projekt weitere Kreise, indem auch die Eltern- und erweiterte Schüler- und Lehrerschaft in das Projekt einbezogen wird. Zur Prämierung am Welt-AIDS-Tag wird schließlich noch die lokale Öffentlichkeit eingeladen.
Ein weiterer, bemerkenswerter Aspekt liegt im Einbezug von Jugendlichen, die sich über klassische Unterrichts- und Auseinandersetzungsformen nicht in gleicher Weise einbringen könnten.

Porträit der Initiatoren: 5 Personen vor einer orangen Wand

Kooperationspartner/ Kooperationspartnerinnen
Das schulübergreifende Projekt Aids & Art profitiert von der Zusammenarbeit eines gut eingespielten Teams und der Bündelung fachlicher und personeller Ressourcen. Zu den sechs Partnern des Arbeitskreises Sexualpädagogik, die das Projekt in gemeinsamer Verantwortung arbeitsteilig umsetzten, gehören pro famila, die AIDS-Koordination im Gesundheitsamt Wuppertal, die AIDS-Hilfe Wuppertal e.V., donum vitae e.V., die Beratungsstelle des Ressorts Kinder, Jugend und Familie und die AIDS-Prävention des Kreisverbandes der Arbeiterwohlfahrt Wuppertal e.V.. Auch in den Schulen wurden Kooperationen initiiert. Die Kunstlehrerinnen und Kunstlehrer zeigten Offenheit und hohe Mitwirkungsbereitschaft. Die Zusammenarbeit mit Hauptschulen wurde in diesem Projekt verstärkt.

Die Erfahrungen
Der Arbeitskreis Sexualpädagogik hatte sich zum Ziel gesetzt, unterschiedliche Schülerinnen und Schüler verschiedener Schulformen anzusprechen. Bei früheren Projekten äußerten sich Hauptschulen oft skeptisch, da ihre Jugendlichen in der Konkurrenz mit anderen nicht mithalten konnten. Bei diesem Projekt konnte direkt eine hohe, schulformübergreifende Beteiligung erzielt werden. Auch Jugendliche mit Migrationshintergrund waren im Projekt besonders engagiert. Besonders erfreut waren die Fachkräfte über die Wissbegier der beteiligten Jugendlichen. Diese hatten, weit über das bereit gestellte Material hinaus, recherchiert, sich informiert und auch den direkten Kontakt mit betroffenen Menschen gesucht. Die künstlerischen und gestalterischen Ausdrucksformen konnten sich ebenfalls sehen lassen. Sie reichten von Zeichnungen, Skulpturen, Holzarbeiten über Aktionen mit Passantinnen und Passanten bis hin zu Videoclips und einem Rap.

Die besonderen Stärken des Projektes im Überblick

  • Eingespielte Zugänge der Aidsprävention in Schulen wurden durch einen weiteren, innovativen Zugang - über den Kunstunterricht - erweitert.
  • Jugendliche aus Haupt- und Förderschulen und mit Migrationshintergrund erhielten die Möglichkeiten, sich intensiv einzubringen.
  • Die Themen HIV und Aids werden sexualpädagogisch reflektiert und sorgfältig aufgearbeitet.

Die Einschätzung der Jury
Im Projekt wird ein umfassender sexualpädagogischer Ansatz umgesetzt. Das Projekt ist dabei niedrigschwellig angelegt. So können sich auch benachteiligte Jugendliche über künstlerische Ausdrucksformen einbringen, was einen großen Vorzug des Projektes darstellt.
Das Projekt ist darüber hinaus ein Beispiel hervorragend gelungener Zusammenarbeit und lokaler Kooperation!
 
 

Laudatio: Kathrin Bever

Ich heiße Kathrin Bever und arbeite als Pädagogin im "Mobilen Aufklärungs-Team zu Sexualität und AIDS" in Mecklenburg-Vorpommern. Unser Team arbeitet im Auftrag des Ministeriums für Soziales und Gesundheit und ist landesweit in der Sexualpädagogik und Aidsprävention tätig.

Aids & Art stellt ein umfassendes sexualpädagogisches Projekt dar, welches kreative handlungsorientierte Zugänge über die Kunst eröffnet und gerade auch Jugendliche in Förder- und Hauptschulen besonders gut erreicht.

Dieses innovative und nachahmenswerte Projekt macht für mich sehr deutlich, wie sinnvoll die Verzahnung von Aids-Prävention mit sexueller Bildung ist. Junge Menschen erfahren hier Anregungen, sich mündig und selbstbestimmt entsprechend ihrer persönlichen Möglichkeiten mit dem Thema HIV/Aids auseinander zu setzen, eigenen Gefühlen Ausdruck über ihre Kunstwerke zu verleihen. Es entstanden Collagen, Zeichnungen, Holzarbeiten, Skulpturen, interaktive Aktionen (Interviews), Videoclips und ein RAP...eine Vielfalt von Kreationen, die die Vielfalt des menschlichen Daseins, seiner Ausdrucksmöglichkeiten und zugleich das Besondere eines jeden Individuums widerspiegelt. Gerade die Berücksichtigung dieser Vielfalt und Individualität ist ein wichtiges Kernelement in einer wirksamen sexualpädagogischen Aids-Prävention.

Dieser gewählte "kunstvolle" Weg schafft, wie die Ergebnisse überzeugend zeigen, Erfolgserlebnisse, stärkt Selbstvertrauen in eigene Fähigkeiten und macht Mut - gerade das, was besonders sozial benachteiligte Jugendliche brauchen und was zu einer höheren Offenheit gegenüber den Botschaften und den Inhalten der Aidsprävention führt.

Möchten wir eine HIV/Aids-Prävention im gesundheitsfördernden Kontext, ohne Angst zu erzeugen, sondern mit Übernahme von Eigenverantwortung und in einem respektvollen Miteinander, brauchen wir vor allem:

  • einen kreativen und emotionalen Zugang, um Interesse zu schaffen, zu motivieren und anzusprechen,
  • eine niederschwellige Pädagogik, um auch Menschen zu erreichen, die sonst nur wenig Zugang zu präventiven Projekten haben bzw. oft nicht eingebunden werden, weil "es" oder sie so "schwierig" sind,
  • eine lebensnahe, lebendige Ansprache, die das "miteinander Reden" anregt und einen persönlichen Bezug zur Wirklichkeit, zur eigenen Lebenslage herstellt sowie
  • Möglichkeiten, Verhalten auszuprobieren, Erfahrungen zu sammeln und das zunächst in einem geschützten Raum.

Das hat mir das Projekt Aids & Art auf eine sehr deutliche und beeindruckende Art und Weise gezeigt. Beeindruckend auch, nicht nur innovative Gedanken zu haben, sondern vor allem den Mut, diese auszuprobieren und umzusetzen.

Aus eigenem Erleben weiß ich, wie viel Kraft und Kompetenz es bedarf, aber auch wie erfolgreich es sein kann, ein breites Kooperationsnetz zu initiieren, zu pflegen und im Sinne Aller zu nutzen. Im Projekt Aids & Art ist dies auf lokaler Ebene hervorragend gelungen.

Die Inhalte und Botschaften der Aidsprävention über einen "unverbrauchten Zugang", nämlich über die Kunst, an die Schulen zu bringen, ist innovativ. Aufgrund der Vorgehensweise, des Projektzuschnittes und auch der finanziellen Machbarkeit, dem ausgewogenen Kosten-Nutzenverhältnis, ist eine hohe Übertragbarkeit in andere Regionen gewährleistet.

Dieses Projekt betont, was fachübergreifend im Miteinander, in kreativer und kommunikativer Auseinandersetzung im Sinne einer wertvollen Prävention möglich ist.

Zur Projektwiederholung und damit zur Erhöhung der Transparenz und Nachhaltigkeit prämieren wir das Projekt Aids & Art mit einem Preisgeld in Höhe von 3.000 Euro.

Vielen Dank an alle Beteiligten!

Ich würde mir für weitere Projekte dieser Art wünschen, auch Lehrerinnen und Lehrer über die Fächer Biologie und Kunst hinaus zu integrieren und damit das Feld der Möglichkeiten, der Zugänge für unsere Jugendlichen noch zu erweitern.

Nachgefragt

Weil es so gut war, gleich noch einmal! Wie die Jury es vorgeschlagen hat, findet in 2009 ein nächster Projektdurchlauf von Aids & Art statt. Die nächste Planungsphase läuft schon auf Hochtouren. Im Januar/Februar 2010 werden die Gewinner des neuen Aids & Art Wettbewerbs präsentiert und wieder Preise an besonders innovative, kreative Jugendliche verliehen. Dass der Arbeitskreis Sexualpädagogik einen Preis erhielt, ehrte nicht nur die Fachlichkeit des Projektes, sondern auch das Zusammenspiel sechs unterschiedlicher Einrichtungen, die gemeinsame Ziele verfolgen. Hier findet Vernetzung greifbar statt und davon profitieren Jugendliche, die die Gelegenheit erhalten, sich künstlerisch mit Sexualität, Aids und Schutzverhalten auseinanderzusetzen.



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