Eine Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Zielgruppe
Ein Projekt für Sub-Sahara Afrikaner/innen, die in Bremen leben sowie Flüchtlinge, Studierende und Menschen, die sich ohne Papiere in Deutschland aufhalten.
Die Projektverantwortlichen
Gesundheitsamt Bremen, AIDS/STD Beratung
Ansprechpartner: Robert Koami Akpabli
E-Mail-Anschrift: robert.akpabli@gesundheitsamt.bremen.de
Websites: www.afrika-projekt-bremen.uni-oldenburg.de und www.gesundheitsamt.bremen.de
Die Innovation
Innovative Zugänge
Afrikanische Migrantinnen und Migranten aus der Subsahara-Region gelten als besonders gefährdete Zielgruppe für HIV und Aids. Gleichzeitig stellen sie wegen sprachlicher Barrieren und einem kulturell abweichenden Verhältnis zu Krankheit, Gesundheit und Aids eine nur schwer erreichbare Zielgruppe für Präventionsprogramme in Deutschland dar. Deshalb klären bei dem Projekt des Gesundheitsamtes Bremen Angehörige der Zielgruppe selber ihre Landsleute über HIV, sexuell übertragbare Krankheiten und Aids auf. Zugleich werden HIV-infizierte oder an Aids erkrankte Menschen einfühlsam begleitet. Es werden ihnen Hilfs-, Unterstützungs- und Beratungsmöglichkeiten aufgezeigt. Die Aidsprävention des Bremer Gesundheitsamtes geht mit ihren Angeboten "zu den Menschen nach Hause", indem Fach- und Honorarkräfte ihre Feste und Gottesdienste besuchen. Auch Integrationskurse, African Soccer Turniere, Afrikamärkte, Diskotheken, Afro-Shops und Asylbewerberheime sind wichtige Zugänge im Projekt. Dabei ist es sehr akzeptanzfördernd, dass die Fachkräfte die Sprache ihrer Zielgruppe sprechen und ihnen auch kulturspezifische Aspekte bekannt sind.
Innovative Methoden
Das Projekt ist fachlich beim Gesundheitsamt Bremen verankert. Der eigene Migrationshintergrund des Projektverantwortlichen sorgt zugleich für eine hohe kulturspezifische Sensibilität. Dies erleichtert den Zugang zur Zielgruppe erheblich. Die Menschen aus der Sub-Sahara, die in Bremen und Umgebung leben, werden so in außergewöhnlicher Weise ernst genommen und mit ihren besonderen Bedürfnissen und Voraussetzungen abgeholt. Religiös und kulturell geprägte Einstellungen werden wahr- und ernst genommen und nach Möglichkeiten gesucht, Gespräche über HIV, sexuell übertragbare Krankheiten und Aids zu führen. Das Aufsuchen von Menschen über religiöse Settings ist dabei sehr hilfreich. Es setzt allerdings voraus, dass dies reflektiert und mit eindeutigen Zielen Präventionszielen erfolgt, wie es in Bremen der Fall ist.
Kooperationspartner/ Kooperationspartnerinnen
Das Gesundheitsamt Bremen hat mit dem Projekt bereits Erfahrungen sammeln können. Die ist notwendig, um nun auf fundierter Erfahrungsbasis gezielte Kooperationen und Zusammenarbeit mit weiteren Partnern, auch aus kommerziellen Bereichen, aufzubauen. Schon jetzt besteht eine intensive Zusammenarbeit mit der Oldenburger Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, die mit ihrer Abteilung für Gesundheit und Klinische Psychologie das Projekt evaluiert und die Ergebnisse in das laufende Projekt einspeist. Beteiligt sind schon jetzt der Europäische Flüchtlingsfonds (EFF) und die Deutsche AIDS-Stiftung. Nun sollen auch noch Beratungsstellen zur Zusammenarbeit gewonnen werden, in denen ebenfalls Beraterinnen und Berater afrikanischer Herkunft tätig sind. In Zukunft sollen auch noch Pastoren, weitere Afro-Shopbesitzer und Call-Shop-Besitzer angesprochen werden.
Die Erfahrungen
Die intensive Berücksichtigung der Voraussetzungen der Zielgruppe ist Erfolgsgarant des Afrika-Projektes. Obwohl der Aufbau von Vertrauen und Akzeptanz, der Einsatz motivierter und gut ausgebildeter Honorarkräfte viel Zeit und auch Geduld erforderte, hat sich der Einsatz gelohnt. Das akzeptierende Zugehen auf die Zielgruppe und die aufsuchende Arbeit hat Offenheit für die Anliegen der Aidsprävention erzeugt.
Es handelt sich um ein lernendes Projekt. So wurden aus ehrenamtlichen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren schließlich Honorarkräfte, um die hohe Fluktuation zu begrenzen und den Schulungsaufwand zu reduzieren. Auch die Positionierung der Honorarkräfte in der Community wurde durch die finanzielle Entschädigung erhöht, denn hier verfügt das Ehrenamt über kein gutes Image.
Die besonderen Stärken des Projektes im Überblick
Die Einschätzung der Jury
Der breit gewählte Ansatz über Feste, Gottesdienste, Diskotheken, Afro-Shops, Turniere und Afro-Märkte ist beispielhaft und einfallsreich zugleich. Es zeigt, wie weit kultursensible Strategien gehen können. Wer so viel Wissen über die Zielgruppe einholt und mit gut ausgebildeten Menschen aus der Zielgruppe selbst aufklärt und informiert, wird durch Projekterfolge belohnt.
Mein Name ist Lunia Hara. Ich arbeite als Projektleiterin bei der Werbeagentur Exozet Berlin GmbH. Vor Jahren war ich an anderer Stelle am Aufbau der deutschen Welt-Aids-Tag-Kampagne beteiligt. Ich freue mich, heute den Präventionspreis einem Projekt zu überreichen, das sich einer Zielgruppe widmet, der ich auch angehöre: Afrikanischen Migrantinnen und Migranten aus der Subsahararegion.
Viele Hilfs- und Beratungsstellen bemühen sich um Menschen aus der Subsahararegion, sie stoßen allerdings oft auf Hemmungen, die Hilfs- und Beratungsangebote in Anspruch zu nehmen. Die Gründe sind vielfältig: weil man Diskriminierung fürchtet, weil das Tabuthema Sex tangiert wird, weil man fürchtet, dass jemand aus der eigenen "Community" von der HIV-Infektion erfahren könnte. Dazu kommen häufig sprachliche Barrieren.
An dieser Stelle setzt das Präventionsprojekt für Menschen aus Afrika des Gesundheitsamts Bremen an. Das Projekt hat die Mitglieder der Fachjury besonders überzeugt, da es auf eine hohe kulturspezifische Sensibilität und besonderes Wissen über die Zugänge zu Migrantinnen und Migranten aus der Subsahararegion setzt. Denn hier sind es Menschen aus der Zielgruppe selber, die die Aufklärungs- und Präventionsarbeit zu HIV, STD und Aids übernehmen.
Der Projektkoordinator Herrn Akpabli und weitere akquirierte und ausgebildete Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus der afrikanischen "Community" gehen zu den Menschen nach Hause, sie sprechen ihre Sprache, besuchen ihre Feste und Gottesdienste. Die Präventionsarbeit erstreckt sich auch auf Integrationskurse, Afrikamärkte, Diskotheken, Afroshops und Asylbewerberheime. Mit dieser Vorgehensweise nimmt das Projekt seine Zielgruppe in außergewöhnlicher Weise ernst. Diese Aktivitäten fördern maßgeblich eine Sensibilisierung und Bewusstseinbildung der afrikanischen "Community" für das Thema AIDS.
Darüber hinaus wird unter anderen auch ein Kommunikations-Netzwerk unter Einbeziehung von Institutionen, die mit Migrantinnen und Migranten arbeiten, aufgebaut. Ebenfalls wurden Informationsmaterialien für die Begleitung und Betreuung von afrikanischen Migrantinnen und Migranten im öffentlichen Gesundheitsdienst erarbeitet.
Lobenswert sind auch die Evaluation des Projektes und die Bewertung der Projektaktivitäten hinsichtlich ihrer Übertragbarkeit auf die Arbeit mit anderen Zielgruppen mit Migrationshintergrund.
Das Projekt wird mit 5.000 Euro prämiert. Die Fachjury schlägt vor, dass mit dem Preisgeld Honorarzahlungen an die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sowie weitere Schulungen ermöglicht werden.
Wir wünschen dem Projekt viel Erfolg und hoffen auf viele Nachahmer über Bremen hinaus.
Der Sirius steht seit der Preisverleihung in der Glasvitrine des Gesundheitsamtes in Bremen und erinnert an die Würdigung eines innovativen Projektes. Dies sorgt im Team für Motivation, was sofort in weiteren Aktivitäten seinen Ausdruck findet. Mit dem Preisgeld wurden weitere Schulungen von Honorarkräften durchgeführt. Außerdem wurden weitere Stake-Holder Treffen organisiert. In der Community muss dafür intensiv akquiriert werden, denn es ist schwer, die Meinungsführer für die Anliegen der Aidsprävention zu gewinnen. Diese Treffen sind zwar aufwändig; sie ermöglichen aber effektive Zugänge in die Community. Besonders erfreulich ist, dass einige Stake-Holder sogar als Multiplikatoren/innen gewonnen werden konnten. Dank des Preisgeldes setzen die Schulungen sofort ein und der Multiplikatorenpool konnte umgehend erweitert werden.
Einstellung der Projekte
01.03.2010 bis 15.06.2010
Bewertung der Projekte
16.06.2010 bis 20.09.2010
Nominierung erfolgt
ab 21.09.2010
Prämierung der Gewinner
am 22.10.2010
Präsentation der Projekte
ab 25.10.2010