Eine Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Zielgruppe
Ein Projekt für Männer, die Sex mit Männern haben (MSM)
Die Projektverantwortlichen
AIDS-Hilfe NRW e.V.
Ansprechpartner: Reinhard Klenke
E-Mail Anschrift: info@nrw.aidshilfe.de
Website: www.nrw.aidshilfe.de
Die Innovation
Innovative Zugänge
Im Mittelpunkt des Projektes Herzenslust - "Beratung und Test" (BuT) steht ein Gesprächsangebot über Risikoreduzierungsstrategien. In Gesprächen, die in der Szene vor Ort stattfinden, wird zunächst festgestellt, wie die aktuelle (Lebens-) Situation der Teilnehmer aussieht. Es wird besprochen, welche Schutzmöglichkeiten sich für HIV und anderen sexuell übertragbare Krankheiten aus der jeweiligen Lebenssituation heraus ergeben und wie der bisherige Umgang mit HIV-Tests ist. Angesprochen werden dabei auch die diagnostische Lücke oder die Bewältigung eines möglicherweise positiven Testergebnisses. Sollte das Beratungsgespräch zeigen, dass ein HIV-Schnelltest sinnvoll ist, wird dieser im Anschluss an die Beratung durchgeführt.
Wenn der HIV-Test tatsächlich "positiv" ausfällt, stehen den Angebotsnutzern direkt Ehrenamtliche zur Seite, die die Auseinandersetzung mit der neuen Lebenssituation begleiten und Kontakte zur positiven Selbsthilfe oder zu benötigten psychosozialen, medizinischen Angeboten organisieren.
Innovative Methoden
Schon das Angebot dieser engmaschigen Betreuung hilft, Ängste vor dem HIV-Test bzw. seinem Ausgang zu reduzieren. Durch die Etablierung von Beratung und Test als Angebot in Szeneangeboten für MSM wird der Umgang mit einer HIV-Infektion wieder stärker in der Szene thematisiert. Durch die intensive Begleitung dieser Diskussion werden zugleich wichtige Impulse für die Entstigmatisierung und Entdiskriminierung von Menschen mit HIV gesetzt.
Dieses innovative Vorgehen kommt allerdings nicht nur den unmittelbaren Angebotsnutzern zu Gute. Den Bedarf an bedarfsgerechten Präventionsangeboten unterstreichen aktuelle Studien. MSM haben, sind weit überproportional beim Anstieg der HIV-Neuinfektionen betroffen. Durch eine umfassende Projektevaluation werden wichtige Erkenntnisse für die Präventionsforschung daraus abgeleitet, ausgewertet und für die weitere Aidspräventionsarbeit genutzt.
Kooperationspartner/ Kooperationspartnerinnen
Die AIDS-Hilfe NRW e.V. koordiniert das landesweite Projekt. Lokale, primärpräventive Vor-Ort-Projekte und Aidshilfen setzen das Projekt in Nordrhein-Westfalen um. Auch die Landesarbeitsgemeinschaft POSITHIV HANDELN, das Schwule Netzwerk NRW e.V, HIV behandelnde Ärztinnen und Ärzte sowie Gesundheitsämter haben ihre Expertise und Fachlichkeit in das Projekt eingebracht. Wirte und andere Betreiber von Szene-Angeboten für Schwule wurden gewonnen, um Vor-Ort die Beratung und den Test anbieten zu können. Vor allem stehen ehrenamtliche Mitarbeiter als Lotsen zu Verfügung und setzen damit ein besonders innovatives und wichtiges Angebotselement um.
Die Erfahrungen
Das Projekt bündelt verschiedene Elemente und Methoden unter einem Angebotsdach. Tabu- und angstbesetzte Themen wie HIV-Test und HIV-Infektion werden in der Szene wieder neu platziert. Durch "Lotsen" werden Männer mit positiven Testergebnissen aufgefangen und begleitet. Auch der Einsatz verschiedener Methoden reagiert auf neue Bedarfslagen. Dazu gehört der Einsatz von Fragebögen zur Risikoanamnese, die auch die Beratungsgespräche strukturieren und Selbstreflexion fördern. Durch das Beratungsgespräch auf Basis eines Kurzzeitcoachings wird eine nachhaltige Verbesserung des Schutzverhaltens erreicht. Mit dem Einverständnis von Teilnehmern ist schließlich noch eine Auswertung der Fragebögen für die weitere Präventionsarbeit möglich.
Die besonderen Stärken des Projektes im Überblick
Die Einschätzung der Jury
Die Zielgruppennähe ist außergewöhnlich hoch und konsequent. Durch die Vor-Ort-Beratung an Szeneorten und Treffpunkten werden Menschen erreicht, die von sich aus keine Beratung aufsuchen würden. Die Beratung orientiert sich an den individuellen Bedürfnissen der Teilnehmer und auch greift auch "Tabuthemen" wie Drogenkonsum oder Fetisch auf. So können handhabbare und wirksame Schutzstrategien in beispielhafter Weise entwickelt werden.
Mein Name ist Dr. Dirk Sander, ich bin der Abteilungsleiter des Bereichs "Strukturelle Prävention für schwule, bisexuelle und andere Männer, die Sex mit Männern haben", in der Deutschen Aids-Hilfe e.V.
Ich möchte Ihnen kurz die Hintergründe und die innovative Leistung des von der Jury prämierten Projekts "Beratung und Test" der Aids-Hilfe Nordrhein-Westfalen vorstellen.
Wir wissen, dass es eine große Gruppe von Männern gibt, denen es schwer fällt einen HIV-Test durchzuführen. In einer Befragung wurde z.B. festgestellt, dass Männer, die nicht auf HIV getestet sind, im Vergleich zu anderen eine signifikant schlechtere Beziehung zu ihrem Arzt, zu Beratungsangeboten und zur medizinischen Versorgung im Allgemeinen haben. Sie nutzen deshalb kaum die Angebote zur gesundheitlichen Vorsorge und im individuellen Risikomanagement verhalten sie sich häufig so, als seien sie HIV-Negativ und riskieren so unter Umständen sich und Andere. Bekannt ist auch, dass diese Männer häufig mit schweren inneren Ängsten kämpfen, möglicherweise HIV-positiv zu sein. Sie wissen oft nicht, wie sie mit einem positiven Testergebnis umgehen sollen. Die Durchführung eines HIV-Tests ist für sie auch aufgrund der langen Wartezeiten auf das Ergebnis teilweise unvorstellbar.
Genau hier setzt das Projekt "Beratung und Test" ein.
Es soll zunächst ein niedrigschwelliges, also szenenahes, aufsuchendes, möglichst kostenloses Testangebot zu arbeitnehmerfreundlichen Zeiten etabliert werden. Es geht dabei aber nicht nur darum ein "Schnelltestangebot" zu machen. Vielmehr umfasst "Beratung und Test" zunächst eine Risikenanamnese, die die individuelle Reflexion des sexuellen Handelns und eine Verbesserung des Schutzverhaltens fördern soll. Falls sich in diesem Beratungsgespräch Risiken aus der Vergangenheit ergeben, wird ein Schnelltest durchgeführt, der in wenigen Minuten ein Ergebnis zeigen kann. Bei einem positiven Ergebnis würden sich bisher ein weiteres Beratungsgespräch und der Verweis auf einen spezialisierten Arzt ergeben.
Das eingereichte Projekt "Beratung und Test" geht an dieser Stelle aber einen wichtigen Schritt, welcher auch schon im Angebot kommuniziert wird und deshalb die Testbereitschaft erhöhen wird, weiter:
Den HIV-positiv-Getesteten wird nämlich ein ehrenamtlicher und speziell-geschulter "Lotse" aus der peergroup zur Seite gestellt, der sie in den nächsten Wochen "begleitet", ihnen hilft bei der ersten Verarbeitung des Testschocks und ihnen in dieser Zeit mit Rat und Tat zur Seite steht. Durch dieses Angebot können die beschriebenen Ängste vor dem Test abgebaut werden, man wird nicht mit seinen Fragen und Sorgen allein gelassen.
Die Jury lobt insbesondere diese innovative Idee des Lotseneinsatzes, der ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen, ähnlich gelagerten Projekten darstellt. Über den Zugang in der Szene werden nicht nur schwule Männer, sondern auch MSM mit hohem Beratungsbedarf erreicht. Beeindruckt hat uns auch, dass dieses Projekt sehr eng an der Lebenswelt der Zielgruppe angelehnt ist und so deren individuellen Bedürfnissen gerecht wird. Das (Modell-) Projekt ist gut übertragbar und ein weiterer Baustein in der Bekämpfung der HIV-Epidemie bei der am meisten von HIV-bedrohten und -betroffenen Zielgruppe der Männer, die Sex mit Männern haben. Die Erfahrungen, die hier gesammelt werden, werden einen großen Einfluss auf die zukünftige Test-Angebotsstruktur haben.
Ich freue mich persönlich sehr, dass es durch dieses Angebot wieder einmal dem Herzenslust-Team in Nordrhein-Westfalen gelungen ist, einen vermeintlich kleinen, aber richtungsweisenden Schritt in der HIV-Prävention voranzugehen.
Die Jury hat sich deshalb einstimmig dazu entschlossen, das Projekt mit einem Preisgeld von 10.000 Euro für die Anschaffung und Unterhaltung eines "Beratung und Test"-Mobils zu prämieren. Hiermit wollen wir einen Beitrag zur Effektivität und Effizienz des Projektes leisten. Ich gratuliere Ihnen herzlich und wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Umsetzung, Evaluation und Weiterentwicklung Ihrer Idee!
Die Preisverleihung und öffentliche Ehrung hat dem Projekt einen ordentlichen Schub nach vorn versetzt. Drittmittelgelder konnten mit dem "guten Zeugnis" des Bundeswettbewerbs Aidsprävention besser eingeworben werden, die Akzeptanz seitens der Kooperationspartner hat noch einmal spürbar zugenommen, was bei der weiteren Projektumsetzung sehr hilfreich sein wird.
Die Preisgelder, die durch eine örtliche Krankenkasse kräftig aufgestockt wurden, sind in einem Wohnmobil gut angelegt, das nun sogar über zwei Beratungskabinen verfügt. Das Wohnmobil wird im Rahmen eines Fototermins feierlich eingeweiht werden. Selbstverständlich hat die öffentliche Anerkennung auch zu einem Motivationsschub bei den Umsetzern geführt - und das kommt wiederum denen zu Gute, die von dem Beratungs- und Schnelltestangebot Gebrauch machen.
Einstellung der Projekte
01.03.2010 bis 15.06.2010
Bewertung der Projekte
16.06.2010 bis 20.09.2010
Nominierung erfolgt
ab 21.09.2010
Prämierung der Gewinner
am 22.10.2010
Präsentation der Projekte
ab 25.10.2010