Eine Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Zielgruppe
Ein Projekt für Männer, die Sex mit Männern haben (MSM).
Die Projektverantwortlichen
Check Up (AIDS-Hilfe Köln e.V.) und Checkpoint (SchwIPS e.V.), Köln
Ansprechpartnerin: Ursula Peters
Ansprechpartner: Felix Laue
E-Mail Anschrift: felix.laue@checkup-koeln.de
E-Mail Anschrift: info@checkpoint-cologne.de
Website: www.sexrisiko.de
Die Innovation
Innovative Zugänge
Das Internet ist heute der bevorzugte Weg, über den Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), sich informieren und anonym austauschen können. Das Internetangebot ist im Baukastensystem aufgebaut. Dies erlaubt, unterschiedlichen Nutzergruppen gerecht zu werden. So werden die verschiedenen Themen über ein Statement im Eingangsbereich, einer weiteren Kernfrage dazu, einem Kurzabriss der wichtigsten Inhalte für Schnellleser sowie ausführlichen Informationen in einem Dossier mit unterschiedlicher Informationstiefe aufbereitet. Je nach Informationsbedürfnis und Fähigkeiten erhalten die Nutzer so einen jeweils passenden Zugang. Zu den hoch aktuellen Themen gehören: ungeschützter Sex unter Positiven, Verharmlosung der HIV Infektion, Sex bei einer Viruslast unter der Nachweisgrenze, Glaube an die eigene Unverwundbarkeit, Fatalismus, aktiver Analverkehr und Beschneidung. Und wer Vor-Ort durch Berater angesprochen wird, ist vielleicht neugierig geworden und kann sich später über das Internet ausführlich informieren.
Innovative Methoden
Schon beim "Betreten" der Website www.sexrisiko.de werden die Besucher unmittelbar mit Klischees und Mythen konfrontiert, die zu HIV-Infektionen führen können. Umgangssprachlich formulierte Statements, die von verschiedenen Männertypen geäußert werden, führen schnell in die Thematik ein. Die im Internetauftritt dargestellten Männer bilden sowohl optisch als auch inhaltlich die Bandbreite möglicher Partybesucher, unterschiedliche Alterststufen und voneinander abweichende Outfits und Stile ab. Dies bietet den Besuchern Identifikationsmöglichkeiten und sorgt für Aufmerksamkeit, weil man eigene Einstellungen und Verhaltensweisen wieder findet. Auf die plakativ dargestellten Schutzirrtümer wird in hinterlegten Infos mit unterschiedlicher Informationstiefe Bezug genommen. Die szenenahe Umsetzung ermöglicht, Motive und Inhalte auch als Gesprächsanlässe in der Vor-Ort-Beratung zu nutzen. Diese Verschränkung von massenmedialem Zugang über das Internet mit einer direkten Beratung ist für das Projekt richtungweisend.
Kooperationspartner/ Kooperationspartnerinnen
Das Projekt ist als Kooperationsprojekt von Check Up (Aids-Hilfe Köln e.V.) und Checkpoint (SchwIPS e.V.), Köln angelegt. Durch die Verbindung der aufsuchenden und zugehenden Präventionsarbeit dieser beiden Initiativen konnten Kompetenzen und Ressourcen gebündelt werden. Die Finanzierung erfolgt über das Land Nordrhein-Westfalen, der Stadt Köln, der Aids-Hilfe Köln e.V. und SchwIPS e.V.
Die gemeinsame Projektentwicklung und Durchführung führt nicht nur zur Bündelung von Ressourcen und Kompetenzen. Die Zusammenarbeit dokumentiert auch in der Szene, dass es gemeinsam um die Vermeidung von HIV und Aids geht, Akteure zusammen arbeiten und gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Die Erfahrungen
In der Zielgruppe diskutierte Themen, vorhandene Ängste und bestehende Vorurteile werden über das Medium "Internet" umgesetzt. Dies ist besonders effektiv, weil sich heute mehr als 70 % aller MSM darüber informieren. Die Anonymität des Angebots ermöglicht zudem auch Männern ohne schwule Identität einen Zugriff auf für sie wichtige Informationen. Männer, die über geringe Bildung und einen niedrigen sozioökonomischen Status verfügen, nutzen das Internet ebenfalls als Informationsquelle - sie stehen klassischen Beratungs- und Versorgungssystemen eher ablehnend gegenüber. Durch die plakative Umsetzung ergeben sich in der aufsuchenden Vor-Ort-Arbeit Gesprächsanlässe, die eine selbstreflexive Auseinandersetzung fördern. Schon der Vorläufer des Projektes die Broschüre "Sex und Risiko - Fakten statt Vermutungen" hat bei der Zielgruppe hohen Zuspruch gefunden und gezeigt, wie hoch der Bedarf und Wunsch nach gesicherten Informationen ist.
Die besonderen Stärken des Projektes im Überblick
Die Einschätzung der Jury
"Er sieht doch gesund aus", "er fragt nicht nach Schutz", " er ist bestimmt auch positiv", solche Annahmen und falschen Schlussfolgerungen können zur HIV-Infektion führen. Es ist deshalb ein besonderer Verdienst des Projektes, das Ohr nah an der Zielgruppe zu haben und umgangssprachlich in die Beratung einzusteigen. Die Jury sieht einige Optionen für konzeptuelle Weiterentwicklung und möchte mit dem Preisgeld auch die Evaluation ermöglichen.
Mein Name ist Tanja Gangarova und ich bin Referentin im Bereich "Maßnahmen zur Aids-Prävention" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).
Ich habe heute die besondere Ehre, den Präventionspreis einem Projekt zu überreichen, das sich an eine zentrale Zielgruppe der strukturellen Prävention in Deutschland richtet - an die Gruppe der Männer, die Sex mit Männern haben (MSM). Eine Gruppe, die nach wie vor den größten Anteil der neu festgestellten HIV-Infektionen in Deutschland ausmacht. Diese Männer sind auch von anderen sexuell übertragbaren Krankheiten überproportional stark gefährdet und betroffen.
Das Projekt "sexrisiko.de" hat die Mitglieder der Fachjury besonders überzeugt, weil es neue Ideen und Impulse für eine innovative und aktuelle Präventionsarbeit für Männer, die Sex mit Männern haben, setzt.
Das Projekt greift die Erkenntnis auf, dass immer mehr MSM eigene Risikominimierungsstrategien anwenden, die häufig auf Halbwissen und Unkenntnis basieren und stellt Möglichkeiten und Grenzen des individuellen Risikomanagement fundiert und zielgruppengerecht dar.
Die Teams von Check Up und Checkpoint haben sich in der Szene umgehört: "Wie gehen schwule Männer heute mit dem Risiko um, sich mit HIV anzustecken? Was tun sie, um sich vor einer HIV-Infektion zu schützen?" Auf der Internetseite www.sexrisiko.de werden die unterschiedlichen Risikoreduzierungsstrategien sorgfältig zusammengetragen, beschrieben und auf ihre Handhabbarkeit ("Was taugt die jeweilige Strategie?") hin überprüft.
Der Zugang über das Internet ist gut gewählt, denn wahrscheinlich mehr als 80 % der MSM informieren sich über das Internet auch zu Sex, HIV und STD. Das Internet bietet Anonymität und somit eine geringe Zugangs- bzw. Hemmschwelle, die auch MSM ohne schwule Identität jederzeit einen Zugriff auf wichtige Informationen ermöglicht. Die Übermittlung von Wissen in Form gut gewählter Rollenbeispiele auf der Web-Seite ist eine neuartige Form der Kommunikation. Der bewusst benutzte umgangssprachige Jargon erleichtert den Zugang zur Zielgruppe zusätzlich. Lobenswert ist auch die gleichzeitige personalkommunikative Bewerbung des Projektes über die Verteilung von Postkarten an Szeneorten, die vor Ort oft als Gesprächs- und Diskussionsanlass genutzt werden.
Wir wünschen dem Projekt viel Erfolg und hoffen auf eine konzeptionelle Weiterentwicklung in Bezug auf eine vereinfachte Sprachform und soziokulturell akzeptable Bilderwelten, so dass die Seite zukünftig vermehrt auch von MSM mit Migrationshintergrund genutzt werden könnte. Um dies zu unterstützen, möchten wir das Projekt "sexrisiko.de" mit einem Preisgeld in Höhe von 4.500 Euro prämieren.
Vielen Dank an alle Beteiligten!
Für die Preisträger stand fest, dass ihnen das Erreichte nicht reicht. Deshalb wurde das Projekt www.sexrisiko ausgebaut. Weitergehende Strategien der Nachhaltigkeit drücken sich jetzt ganz konkret in Rat und Tat aus. Denn nun wird, über Aufklärung hinaus, auch tiefer gehende, individuelle Beratung angeboten. Informationen und Aufklärung schaffen im ersten Schritt Offenheit und erzeugen den Wunsch, mehr zu wissen. Deshalb werden nun im zweiten Schritt auch ein Schnelltest und Einzelberatung angeboten. Der Preis hat dem Team Rückenwind verliehen. Die Projektträger haben dies für sich genutzt und die Qualitätsaussagen der Jury in ihre Strategien und Öffentlichkeitsarbeit einbezogen.
Einstellung der Projekte
01.03.2010 bis 15.06.2010
Bewertung der Projekte
16.06.2010 bis 20.09.2010
Nominierung erfolgt
ab 21.09.2010
Prämierung der Gewinner
am 22.10.2010
Präsentation der Projekte
ab 25.10.2010