Eine Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Zielgruppe
Junge Schwule und MSM, die sich in der Clubszene bewegen sowie im Nachtleben aktiv und auch auf der Suche nach Sex sind
Die Projektverantwortlichen
manCheck, Berlin
Ansprechpartner: Rolf de Witt
E-Mail-Anschrift: rolf@mancheck-berlin.de
Website: www.darkangel.eu, www.manCheck.eu
Die Innovation
Innovative Zugänge
Für junge Schwule und MSM, die auf der Suche nach Sex sind, gibt es im Nachtleben ein neues Erkennungszeichen "DARKANGEL - safer tonight". Menschen auf der Suche nach Sex zeigen so unmissverständlich und unkompliziert ohne Worte, dass sie Sex wollen - aber nur sicheren. Mit ansprechenden Insignien für das Nachtleben versucht das Projekt DARKANGEL, Safer Sex sexy zu machen. Immerhin schützen sich laut vorliegender Studien 70% der MSM beim Sex. Aber diese große Mehrheit wird zu wenig sichtbar, zumal unsafer Sex in manchen Clubs scheinbar "Trend" ist. Diese Situation nutzt DARKANGEL bewusst und verteilt an registrierte Nutzer den Sticker "safer tonight". Inzwischen gibt es schon über 165.000 Nutzer des bei MSM beliebtesten Chatportals gayromeo.com, die das Logo in ihr Profil aufgenommen haben, um zu zeigen, dass mit ihnen nur Safer Sex in Frage kommt. Mit diesem, eher werblich ausgerichteten Angebot, ist Prävention kein "alter Hut", sondern positioniert Gesundheitsthemen hipp und trendy.
Innovative Methoden
Zwei Mitarbeiter von manCheck gehen durch die feiernden Clubbesucher, sprechen sie an und verteilen Promotionmaterial. Dies enthält kurze Informationen zu DARKANGEL und Hinweise auf den Infopoint im Club. Am attraktiv ausgestatteten Infopoint werden Infomaterial, Cruising Packs, DARKANGEL Sticker und Registrierungskarten für die sofortige Mitgliedschaft bei DARKANGEL ausgegeben. Motivierendes Personal erklärt Anliegen und Strategien von DARKANGEL und hilft beim Ausfüllen der Registrierungskarten. Dann erhalten die Männer per Post ein "DARKANGEL-Pack", das aus fünf "Cruising Packs" mit Kondomen und Gleitmitteln und zehn Stickern "Safer Tonight" besteht. Damit ist "mann" gut für Szenebesuche und sicheres Nachtleben ausgestattet.
Kooperationspartner/Kooperationspartnerinnen
Der Partner www.gayromeo.com ist offizieller und gewichtiger Sponsor, der dem Projekt beim Versand der Cruising Packs unter die Arme greift. Er bietet außerdem den "DARKANGEL-Button" für Mitgliederprofile an und stellt seine Plattform für DARKANGEL-Clubmitglieder zum Erfahrungsaustausch zur Verfügung. Die Agentur SchwarzRosaGold.de hat das Corporate Design, die Website und das Layout für Druckerzeugnisse als Sponsorleistung entwickelt. Offizieller Medienpartner ist du+ich, die Gay-Zeitschrift des Jackwerth Verlags, die das Projekt in jeder Ausgabe promoten und kostenlose Anzeigen ermöglichen. Es kommen zahlreiche Einzelpersonen wie Fotografen und Models hinzu, die ihre Leistungen kostenfrei zur Verfügung stellen.
Die Erfahrungen
manCheck betont nach den ersten Erfahrungen mit dem innovativen Projekt, dass ihre Leitidee aufgegangen ist: Männer beziehen öffentlich und entschieden Position für Safer Sex. Über die Registrierung und das Tragen des Stickers beziehen sie Stellung und treffen Aussagen über sich. Sie bringen zum Ausdruck: "Ich weiß, was Safer Sex ist und ich mache es", "Ich respektiere, was andere tun", "Ich übernehme Verantwortung für mein Handeln".
Die Projektträger sind stolz darauf, dass es gelungen ist, moderne Marketingstrategien aus der Betriebswirtschaft eng mit Methoden der Prävention zu verbinden. So wurden das werbliche Umfeld und das Setting unter Marketinggesichtspunkten analysiert und Präventionsansätze in einem "Outfit" präsentiert, das den Rezeptionsgewohnheiten und Vorlieben der Zielgruppe entspricht.
Die besonderen Stärken des Projektes im Überblick
Die Einschätzung der Jury
Es werden diejenigen hervorgehoben und belohnt, die Safer Sex praktizieren. Denn die Menschen, die sich schützen, sind tatsächlich in der Mehrzahl. Aber diese überwiegende Anzahl von Männern, die Safer-Sex-Kontakte sucht, wird nicht immer ausreichend wahrgenommen und sichtbar. Deshalb liegt ein besonderer Verdienst des Projektes darin, diese innovative "Umdrehung" - die deutliche Sichtbarmachung - in der Partyszene und im Nachtleben zu lancieren. Auch die Wahl des Settings zeigt neue Möglichkeiten zur Ansprache, die Umsetzung einen neuen Stil. In der Verbindung hedonistischer Partymotive, lustvoller Begegnungen und verantwortungs- sowie selbstbewusstem Gesundheitsverhalten wird hier ein neuer Weg in der Prävention beschritten.
Sander/DARKANGEL - safer clubbing
Aus den bundesdeutschen Wiederholungsbefragungen wissen wir, dass das Schutzverhalten schwuler und bisexueller Männer - entgegen den immer wieder zu hörenden Unterstellungen von "zunehmender Sorglosigkeit" - ungebrochen hoch ist. Ein großer Erfolg der Prävention.
Wir wissen allerdings aus der Begleitforschung der ICH WEISS WAS ICH TU-Kampagne auch, dass mittlerweile viele schwule Männer selbst der irrigen Meinung sind, dass sich das Safer-Sex-Verhalten in der Szene abgeschwächt hätte. Die Bewertung des allgemeinen Verhaltens in den schwulen Szenen und die eigenen Erfahrungen klaffen deutlich auseinander. Solche falschen Wahrnehmungen und Zuschreibungen sind in der Psychologie ein bekanntes Phänomen, man spricht hier von "pluralistic ignorance".
Zu befürchten ist, und davor warnen Psychologen, dass sich das eigene Verhalten tendenziell der (falsch) wahrgenommenen Norm anpassen kann. Der Prävention wird deshalb dringend empfohlen, das vorhandene Safer-Sex-Verhalten immer wieder hervorzuheben und positiv zu bestärken.
Safer Sex in den Szenen sichtbar zu machen und zu personalisieren, das scheint eine wichtige Aufgabe der Stunde zu sein.
Genau da setzt das Projekt "DARKANGEL - safer clubbing" an, welches heute von der Jury des Bundeswettbewerbs HIV-Prävention prämiert wird.
Das Projekt "DARKANGEL - safer clubing" ist Teil einer Kampagne, welche vom Berliner Präventionsprojekt mancheck entwickelt und durchgeführt wird, welche aber auch schon über die Grenzen der Bundeshauptstadt hinaus wirkt.
"DARKANGEL - safer clubbing" findet in der Clubszene statt, einem Setting, in dem Präventionsangebote nicht immer gern gesehen und sehr schwierig umzusetzen sind. Auf so genannten "Premium Events" muss die Prävention in der Regel "draußen bleiben" weil sie mit ihrem Auftreten als unpassend empfunden wird.
Anders DARKANGEL - safer clubbing: Es wird von der Zielgruppe erfahrungsgemäß gut aufgenommen. "Safer tonight - DARKANGEL" gilt als trendy, modern und sexy. DARKANGEL ist zu einer Identifikationsplattform für Männer geworden, die Safer Sex wollen. Die Marke ist zeitgemäß verpackt und entspricht der Ästhetik und dem Lifestyle der Zielgruppe. Es wendet sich vor allem auch an junge Schwule, die sich in der Clubszene bewegen und im Nachtleben aktiv sind, auch auf der berechtigten Suche nach Nähe, Sex und Abenteuer. Es wendet sich an den Einzelnen: Jeder entscheidet für sich und macht seinen Wunsch nach Safer Sex öffentlich.
Safer Sex wird in der Szene durch den Sticker:"Safer tonight", den sich jeder anstecken kann, sichtbar. DARKANGEL ist Empowerment pur: Je mehr Menschen ein Darkangel werden, desto mehr Selbstvertrauen beim Einzelnen.
Konkret findet "DARKANGEL - safer clubbing" wie folgt statt: Zwei Mitarbeiter von DARKANGEL gehen durch die Menge, sprechen Leute an und verteilen Werbematerialien. Es gibt kurze Informationen zu DARKANGEL und den Hinweis auf den Infopoint. Der Infopoint besteht aus einemStehtisch, vier Roll-Ups mit DARKANGEL-Modellen, entsprechender Beleuchtung, Cruising Packs, DARKANGEL Stickern und Registrierungskarten für die sofortige Mitgliedschaft bei DARKANGEL.
Zwei weitere Promotion-Mitarbeiter sind am Infopoint tätig, sie erklären DARKANGEL, helfen beim Ausfüllen der Registrierungskarten und geben Infomaterial und Sticker heraus.
Die Jury würdigt mit dem Preis, dass es den Machern von "DARKANGEL - safer clubbing" mit modernen Methoden des Marketing und einem positiven Label gelungen ist, in einem Setting Zuspruch zu finden, welches sonst sehr schwer zu erreichen ist. Es erreicht vor allem eine junge Zielgruppe, die von kommerziellen Markenfirmen heftig umworben wird, und bei der die herkömmlichen Präventionsmethoden nicht mehr zeitgemäß sind. Es wird sichtbar gemacht, dass "Safer Sex" sexy und weiterhin im Trend ist.
Die Jury verleiht den Preis, da es das Projekt für innovativ und sehr gut begründet hält. Prävention ist schwerer geworden, dass sich die Marke in einem so einem kommerziellen Umfeld durchgesetzt hat, findet die Jury außerordentlich beachtenswert.
Das Preisgeld, so wünscht es die Jury, sollte genutzt werden, um die Marke weiterzuentwickeln und das Label weiter in den schwulen Partyszenen zu promoten. Herzlichen Glückwunsch!
Nach der Prämierung stand fest: "Wir ziehen weiter" und so tourt die Promotiontour nun ein bis zweimal monatlich durch Berliner Clubs. Ungebremst lädt sie Männer ein, sich offen zu "Safer Sex" zu bekennen und ein DARKANGEL zu werden. Fast alle Gäste der Parties laufen dann mit dem Button "safer tonight" herum und sind auf diese Weise Bekenner und Träger einer zentralen Schutzbotschaft. Auch Medienpartner helfen mit, indem sie immer wieder kostenfrei über die Aktion berichten und Preisermäßigungen für Anzeigenschaltungen einräumen. Medienkooperationen konnten durch die Prämierung verstärkt und auch die Wahrnehmung des Projekts in der Stadtpolitik und in Fachkreisen deutlich erhöht werden. Das Projekt DARKANGEL wird ständig weiterentwickelt, die Registrierungen werden vereinfacht und neue Anreize gesetzt. Zusätzlich werden soziale Netzwerke wie facebook einbezogen und über dieses Feature sogar ein "manCheck Health Support" angeboten. Mit diesem komplexen Angebot soll es in naher Zukunft noch viele Spender, Helfer und neue DARKANGEL geben, die sich offen zu "Safer Sex" bekennen und zeigen, dass sie im Nachtleben die Mehrheit sind.
Einstellung der Projekte
01.03.2010 bis 15.06.2010
Bewertung der Projekte
16.06.2010 bis 20.09.2010
Nominierung erfolgt
ab 21.09.2010
Prämierung der Gewinner
am 22.10.2010
Präsentation der Projekte
ab 25.10.2010